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Heiligenhäuschen am Fuße des Hoppenberges

Nach mündlicher Überlieferung befand sich vor der Einführung des Christentums an dem Standort des jetzigen Heiligenhäuschens ein heidnischer Opferaltar. Nach Einführung des Christentums soll an dieser Stelle bis Mitte des 18. Jahrhunderts ein Kreuz gestanden haben. Zum Zeitpunkt der Errichtung des Heiligenhäuschen können keine genaueren Angaben gemacht werden. Es wird von 2 Linden, deren Alter von Fachleuten auf 200 Jahre geschätzt wurde überschattet (Geschätzt im Jahre 1955). Bei der Fronleichnamsprozession wird hier bis heute eine Station abgehalten.

Heiligenhäuschen am Ortsausgang Richtung Marsberg

Zum Dank des günstigen Ausgangs der Revolution von 1848 wurde im Herbst des Jahres 1848 das Heiligenhäuschen errichtet. Vor dieser Zeit war hier ein Kreuz vorhanden. In der Nische befindet sich eine ca. 50 Zentimeter große bronzene Muttergottesstatue mit dem Jesuskind. Besonders im Marienmonat wird dieser Ort von Gläubigen aufgesucht. Schon mehrfach sollen hier Bitten in besonderen Anliegen erhört worden sein.

Bildstock am Anfang des Diemelsberges

Aus Anlass einer besonderen Gebetserhöhrung ließ Graf Joseph von Stolberg im Jahre 1852 den Bildstock errichten. Am St. Markustag bewegt sich die Prozession zu dieser Stelle. Besonders im St. Josefs - Monat besuchen Gläubige den hl. Josef und verharren dort im Gebet. Auch hier sollen schon viele Bitten erhört worden sein.

Diese Berichte stammen aus dem Jahre 1955.

Der Bildstock des Heiligen Josef steht heute im Schlosspark. Er wurde im Wald des Diemelsberges früher oft von herabfallenden Ästen beschädigt, so dass er jetzt einen sicheren Platz gefunden hat.

Die Muttergottesstatue mit Jesuskind (Heiligenhäuschen Richtung Marsberg) ist nicht mehr vorhanden. Es befindet sich jetzt ein Muttergottesbild in der Nische.

Wolfgang Becker, Ortsheimatpfleger, April 1995

Chronik der Kath. Kirchengemeinde Westheim i. W.
(Abfotografiert im Stadtarchiv Marsberg im Mai 2004 von Jörg Erkel)

 

Wir bedanken uns vielmals für die Übertragung von Sütterlinschrift in Druckschrift durch Herrn Heinrich Weber vom Team "Sütterlinstube" (http://www.suetterlinstube.org) mit freundlicher Unterstützung von Herrn Dr. Peter Hohn im Jahr 2005

 

- Archivarbeit: Jörg Erkel mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Stolz vom Stadtarchiv Marsberg
- Übertragung Sütterlin in Druckschrift: Heinrich Weber, Dornkamp 10, 22869 Schenefeld
- Kontakte und Korrekturarbeiten: Dr.Dr.Peter Hohn, Kayhuder Weg 16, 22417 Hamburg
- Umsetzung auf die Homepage: Peter Fingerhut und Jörg Erkel

 

Nachdem wir die folgende Chronik im Mai 2004 unter freundlicher Anleitung von Herr Siegfried Stolz, Archivar in Marsberg, im Stadtarchiv in Marsberg gefunden und abfotografiert hatten, standen wir vor dem großen Problem, dass niemand uns beim Lesen der Sütterlinschrift helfen konnte. Bei Recherchen im Internet haben wir zuerst einen Sütterlinkurs und eine Sütterlinschrift für den Computer unter http://www.peter-doerling.de/ gefunden. Leider haben wir selbst nicht die Geduld aufbringen können, diese Schrift zu lernen. Glücklicher weise fanden wir ebenfalls im Internet sehr freundliche Menschen, die uns bei der Übertragung behilflich waren/sind. Dadurch konnten wir die nachfolgenden Dokumente der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Einerseits sind wir mit der Bearbeitung noch nicht fertig, andererseits könnten sich auch Fehler eingeschlichen haben. Deshalb laden wir alle interessierten ein, an dieser Übertragung aktiv mitzuarbeiten. Man kann uns über die E-Mail Adresse info@westheim.org erreichen. Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen und Erforschen der Westheimer Geschichte wünscht das Team westheim.org.

 

>>> Chronik als PDF File <<<

 

Seite

Original

Übertragung

1

(Deckblatt)

2

(Inhaltsverzeichnis in Maschinenschrift)

3

(Inhaltsverzeichnis in Maschinenschrift)

4

Westheim, in den Urkunden auch Westen,
Westhem, Vnesten, Westheym, Westheymt, ge-
nannt, ist in seiner jetzigen Lage „ugs
der Dimele“ - … der Dymele “ beneben dem
Marsberge“ gelegen, ein alter Ort.
Über die Herkunft des Namens sind m.W.
nur Vermutungen möglich. Gegen die
Annahme, daß die Himmelsrichtung, d.h.
die westliche Lage dafür bestimmend ge-
wesen sei, scheint der Umstand zu spre-
chen, daß hier der bestimmende Gegen-
satz: ein Ostheim, Nordheim / Südheim liegt
nördlich ! / fehlt. Auch sonstige Beziehungen
zu einem östlich gelegenen Zentralort
fehlen. Die Bezeichnung Vnesten möchte
vielleicht auf einen früheren verlasse-
nen Ort, eine Weisung, wie man das im
Mittelalter vielfach hieß, gedeutet werden dürfen.

Die Herren v. Westheim.
Mit dem ersten Vorkommen des Ortes
trifft man dort ein adeliches Geschlecht,
(Ministeriales) das sich: von Westhem, Westheym
nannte. Um 1080 übergeben die fratres
Hezel et Einelen de Westheim eine bisher

5

Eigenhörige als Altarhörige an die Kirche zu
Tresberg unter dem Abte Marcward von Corvey
(Erhard, Codex diplomaticus No. 160).


1150 wird in einem Fragmente des alten Cor-
vey’schen Codex, bei Aufzählung der Kirchen
des Paderborner Sprengels, über die dem Klo-
ster Corvey das Kollationsrecht zustand, die
Pfarre von Westheim erwähnt. (Archiv für
Westfälische Geschichte Bd. III f.3. Seite 7.)

1175 wird Olric v. Westheym als Zeuge aufge-
führt. (Geschichte u. Altertumskunde Westfalens
Bd. 21. Seite 61).

1179 kommt Lindolf de Westheim als Zeuge
in der Urkunde Bischofs Siefried v. Paderborn
vor. (Erhard II. Codex diplomaticus No. 405).

1196 erscheint Othebrich de Westheim als Zeuge
in der Urkunde Abts Widekind v. Corvey (Erhard,
Codex dipliomaticus No. 554.)



1209 ist ein Ludolf v. Westheim Canonicus in
Busdorf (Paderborn) (Zeitschrift für Geschichte
u. Altertumskunde Westfalens 70. 13. Abtei-
lung II. Seite 39.
ferner „die von Westheim waren Ministe-
rialen von Paderborn“ (ebenda Seite 42)

1220 wird Johann von Westheim als Zeuge
genannt in einer Urkunde ohne Datum
(Chronik von Dalheim flg. 112.)

1221 verzichtet Ritter Wilhelm v. Brotike

6

auf sein Gut in Hosningtorp zu Gunsten der
Ritter Hebrik und Olrik v. Westheim.

1221 Diese genannten Ritter v. Westheim machten
den Kreuzzug mit und wünschten dem Klo-
ster Bredelar ihre Lehnsgüter abzutreten (Chro-
nik des Klosters Dalheim f.106 – Westfälische
Urkunden Bd. IV No.95).

1229 wird ein Olricus de Westheim urkundlich er-
wähnt (Momenta Paderbornensia p.101)

1239 verkaufen die Gebrüder Olric und Obric
von Westheim - in der Urkunde steht: Vnes-
ham – die Vilication der dem Stifte
Heerse in ……. gehörigen Güter nebst
der Advocation über dieselben dem Klo-
ster Hardehansen (Archiv für Geschichte West-
falens Bd.IV G.3 Seite 142).

1231 stellt Wilhelm Tierzst zu Eresburg ein Zeug-
nis aus, daß Elric v. Westheim vom Vogt
Widekind v. Reseberg, mit Gütern zu Osning-
dorp belehnt sei (Westfälische Urkunden Bd. IV.
No. 209 Seite 131).

1232 werden in einer Urkunde Gottschalks
v. Padberg Werno de Westheim und Olric de
Westheim

1247 Borchard de Westheim und

1248 Elricus de Westheim als Zeugen genannt.
(Chronik des Klosters Dalheim f.106-7-8.)





1252 vertauscht Äbtissin Gertrud zu Heerse gegen
 

7

Güter zu Twistene dem Kloster Bredelar ihre
Besitzungen zu Ossingtorp (das jetzige Orsdorf,
ein nördlich gelegenes, etwa ½ Stunde von
Westheim entferntes Dorf) welche früher
Johann v. Westheim zu Lehen besaß. Dieser
hatte mit Genehmigung seiner Brüder Elric,
Burchard, und Swicker, sowie seiner Frau
Mattica aufs Lehen verzichtet. (Dalheimer
Chronik f.109.)

1256 wird ein Werno de Westhem als Zeuge
genannt (Seiberts. Urkunden Sammlung,
I. Bd. Seite 365).
Das Pfarrarchiv erwähnt auch einer Notiz
des Pfarrers Siebers nach der ein Burchard
von Westen unter Bischof Simon I. v. Pader-
born, edler Herr zu Lippe 1247 – 1277 im Strei-
te mit Salzkotten dem Kurfürsten von Köln,
Konrad v. Hostaden, als Geißel gestellt wur-
de. (Quelle ist nicht vermerkt.)

1269 bekunden die Rathmänner von Marsberg,
daß Ritter Swiker von Westheim mit Ein-
willigung seiner Gemahlin Adelheit und sei-
nes Bruders Ullrich, die Hälfte des Zehnten
in Wessengan (Wessingere müsste …….
Fressingsen in der Mitte zwischen Nieder-
Marsberg und Leitmar sein. Auf der Rück- ?
seite der Urkunde steht vermerkt: Fles-
singer Lehende furm Marsbergh.) durch Ver-

8

 mittlung der Ritter Ludolf v. Dalwigh
und Johannes v. Brobike, ihrem Mitbür-
ger Berhold v. Höxter für 55 Mark ver-
kauft habe die Frau Sophie, welche von
dem zehnten die Leibzucht besitzt, und ihr
Sohn Johannes erklären in der (Nicolai-) Kirche
zu Marsberg, vor den dortigen Rathsmännern,
nach dem Tode genannter Sophie keine
Ansprüche darauf zu erheben.
Die Stadt Marsberg, Johannes, Herr der Burg
Padberg, und sein Verwandter Hermann,
siegeln. Nachfolgend Abschrift der
Urkunde, welche sich im Original auf
Pergament mit verletzten Hanfschnüren
zur Zeit im Besitz der Stadt Warburg be-
findet:

Universis präsentem litteram visuris consules
montes Martis institie semper inhaerere et
veritati testimonium perhibere, quia gestarum
rerum servem plerumque antes oblivionis solet
involgere, decrevit discretorum sollercia, acta
hominum scriptis, sigilli set festibus perben-
nare.
Noverino quam presente set futuri, quod scrip-
Trans, miles dictus de Westheym, adhuc libris,
excepta unica filia, carens, de consensu uxoris
sui domini Alheydis et fratris sui Obryci
universorum qui heredum ac coheredum suorum

Urkunde Westheim 1269, Übersetzt von Studiendirektor Klaus Bogedain

„Dass für alle, die die vorliegende Urkunde sehen wollen, die Ratsleute von Marsberg immer an der Gerechtigkeit festhalten und für die Wahrheit Zeugnis ablegen, weil den Wortlaut der Geschehnisse zumeist der Schleier des Vergessens zu verbergen pflegt, verfügte die Vorsicht der Klugen, dass die Verfügungen der Menschen in Urkunden, mit Siegeln und Zeugen viele Jahre fortdauern.

Die Gegenwärtigen und auch die Zukünftigen sollen wissen, dass der genannte Ritter Swiker von Westheim, bisher ohne Kinder, ausgenommen eine einzige Tochter, mit Zustimmung seiner Gemahlin, der Herrin Adelheid und seines Bruders Ulrich und seiner gesamten Erben und Miterben, die Hälfte des Zehnten, in Wlessingere (1) gelegen, die gerade an ihn von seinen Vorfahren recht- und gesetzmäßig gefallen war, mit Ausnahme dessen, was Frau Sophia als ihr Recht, was in der Landessprache „Leibzucht“ (2) genannt wird, allein, solange sie lebt, innehaben wird, durch Vermittlung der Ritter Ludolf von Dalwigk und Johannes von Brobike wegen der Armut, der sie sich nicht entziehen konnte, dem Bertold von Höxter, unserem Mitbürger, für die annehmbare Höchstsumme, nämlich für 55 Mark mit dem ganzen Nutzen des Zuwachses verkauft hat, und dass so er selbst wie sein oben genannter Bruder Ulrich sie dem vorgenannten Bertold und seiner Gemahlin Frau Kunigunde und den Kindern eben derselben, Hermann, Konrad, Kunegunde und Margarete, gewährt haben, die schon genannte Hälfte des Zehnten nach dem Feudalrecht zum immerwährenden freien und ungestörten Besitz, wobei sie nichtsdestoweniger versprechen, dass sie und ihre Erben dem oftgenannten Bertold und seinen Erben bezüglich der oftgenannten Hälfte des Zehnten die volle und beständige „Warandia“ (3) erfüllen werden.

Die vorher genannte Sophia freilich und der Sohn gerade derselben, Johannes, und andere derer Erben haben in der Kapelle von Marsberg (4) vor den Ratsleuten von Marsberg und vielen anderen rechtschaffenen und ehrenhaften Männern stehend öffentlich bezeugt, dass sie nach dem Tod der oftgenannten Sophia kein Anrecht auf den oftgenannten Zehnten haben werden,, und sie haben auf ihr ganzes Recht und ihren Anspruch über den nämlichen Zehnten völlig verzichtet.

Verhandelt wurde dies in Marsberg im Jahre des Herrn 1269.

Und damit dieser Vertrag gültig und unangetastet für immer fortdauere, glaubten wir die vorliegende Urkunde mit unserem Siegel und den Siegeln des Johannes, des Herrn der Burg in Padberg, und seines Verwandten Hermann bekräftigen zu müssen. Dafür sind Zeugen die Ritter Friedrich von Horhusen und sein Bruder Thiederich, Udo von Wethen, Ulrich von Westheim, Johannes von Brobike, Ludolf von Dalwigk (und) Stephan von Horhusen; (und) die zum Ritterstand gehörenden Alrad von Horhusen, Konrad von Brobike und Friedrich Speicht, die Ratsleute von Marsberg Heinrich von Oddenhusen und sein Bruder Thiedrich, Albert von Mulenhen, der Richter Bertold und sein Bruder Ludolf, Heinrich von Capelle und sein Bruder Johannes, Helmwig von Höxter, Hermann, Sohn des Münzers, und sein Bruder Ludwig, die Brüder Winand und Heinrich von Scherfede, Konrad, (Sohn ?) des Luthbrand, Johannes (Sohn ?) des Hildeword, die Brüder Heinrich und Johannes, Schwäger des Widerold, Konrad von Olingen, Gernand von Scherfede, Rudolf von Essentho, Bernard von Walbernichusen und andere mehr.“

Original auf Pergament mit den verletzten Siegeln an Hanfschnüren, z. Z. im Besitz der Stadt Warburg.

 

(1) "Wlessingere" wohl die Wüstung "Flessinksen" zwischen Niedermarsberg und Leitmar. Auf der Rückseite der Urkunde steht vermerkt: "Flessiger Zehende furm Marspergh".

(2) "Leibzucht" (auch "Leibgedinge") ist die Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege und Pflege gegenüber einer Person bis zu deren Ableben zu erbringen.

(3) "Warandia" (auch: "Gewere") - ahdt: = "Gewährlesitung", geschützes Besitzverhältnis

(4) wohl die Nikolai-Kirche

9

dimidictatem decime in Wessengere site, que
ad ipsum a progenitoribus suis rite et
legitime devoluta fuit, excepto quod
domina Sophya ius suum quod vulgo
“lyftucht” dicitur, sola quamdiu vixerit,
obtinetit, mediantibus Ludolfo de Dalewych
et Johannes de Broltyke militibus propter
necessitatem, quam subterfulgere nequivit,
Bertholdo de Huxaria, comburgensi nostro,
accepta pecunia summa videlicet quinqua-
ginta marcarum cum anni procentuum
utilitate vendidit et tam ypse, quam
predictus trater suus Olrycus predicto
Bertholdo et uxori sui domine Kunigundis
et pueris ipsorum Hermano, Konrado, Kuni-
gundi et Margarete perrexerunt iam
dictam dimedictatem decime iure feodali
libere et quiete perpetuo possidentam, pol-
licentes dimidictate decime plenam et
perpetuam prestituros. Predicta
vere Sophya et Johannes filius ipsius aliique
ipsius heredes in capella montis Martis, aliis-
que multis probes et honesties viris consisten-
tis publice protestati sunt, post mortem
sepedicte Sophya, se nihil iuris in sepedicta
super cadem decima penitus reminciarunt.
Acta sunt hic in monte Martis anno
Domini MCCLX … Et ut iste contractus

10

 

Bitte beachten Sie auch die

>>> Übersetzung <<<

ratus et inconvolvus et in … permaneat.
presentem paginam sigillo nostro et sigillis
Johannis domini castri in Pathberg et Hermani
Cognati sui duximus rotorandam. Huius rei
Testes sunt Fredericus de Horhusen et fratres
1276 suus Thydericus, Udo de Wethen, Olrycus de
Westheym, Johannes de Brolbyke, Fredericus Spey..(?)
Militares; Henrycus de Oldenhusen et frater
suus Thydericus, Albertus de Mulenken ( ?), Berthol-
dus iudex et frater suus Johannes, Helmerycus
de Huxaria, Hermanus filius monetarii et fra-
ter suus Hedewycus, Wynandus et Henricus
de Scherve fratres, Konradus Huthbrandi,
Johannes Hyldewordi, Henricus et Johannes fratres,
cognati Wyderoldi, Konradus de Olyngen, German-
dus de Scherve, Rodolfus de Esnete (Essentho),
Bernardus de Waltenichhusen consules montis
Martis et alii quamplures (Geschichte und
Altertumskunde Westfalens Jahrgang 1901.)
1280 Das Pfarrarchiv erwähnt ebenfalls unter
Bischof Otto v. Paderborn, Graf v. Rietberg 1280-1307
einen Ulrich v. Westhen. Es wird das jener
Olric miles de Westhem sein, den Seibertz
als Zeugen einer Urkunde für 1280 auf-
führt.

1280 Alrad und Adam Ritter und Konsuln zu Mars-
berg bezeugen, daß der Abt und Konvent zu
Bredelar dem Elric von Westhem hundert = 100

11

Mark für Güter zu Osningthorpe ausbe-
zahlt haben. (Dalheimer Chronik f. 108).

1311 Ritter Olric de Westham, tritt an die
Abtei Corvey mit Bewilligung seiner Ge-
mahlin Gertrud, seiner Söhne Albert und
Olric und der übrigen …….. für die auf
seine Bitten dem Kloster Beringhusen
(Brenkhausen) abgetretenen Güter zu
Heimadessen und Heygentsmen 5 Huben
………… in Aspe, 4 Huben in Westheim
und 8 ½ Huben in Velzeberg mit allem
Zubehör zu Eigentum ab. (Falke tradit
Co. pag. 723).

1314 Derselbe Olric von Westheim war Ministe-
riale der Kirche Korvey und hatte nach
den Urkunden des Abtes Robert vom
Jahr 1314, dem Kloster Brenkhausen zehnt-
….. und Besitz in Heinhausen und
Hembsen für 440 Mark – denare – verkauft.
(Geschichte und Altertumskunde Westfa-
lens, Bd. 36. Seite 122.)

1318 Der Knappe Godescalens, genannt de
Westheym, Gograf in und seine
Frau Elisabeth verkaufen ihren Teil am
zehnten in Helmdachessen an den Ritter
Johannes v. Brotike (Abschrift des 17. Jahr-
hunderts zerfressen = Stolte, Archiv des Ver-
eins für Geschichte und Altertumskunde
 

12

Westfalens. Urkundenbuch Paderborn 1905).

1336 Borlo von Westheim verkauft einen Hof
in Dörpede an Sieferten von Büren
(Varnhagen 40/41).
Anmerkung: das Dorf Dorpede (Dörpede) gehörte
zum Archidiakonate Warburg seit 1231. Es ist
1496 am Thomasabend 20/21. Dezember abge-
brannt. Es soll auf beiden Diemelufern
gestanden haben, zwischen Billinghausen
und Westheim. In Folge des gänzlichen Bran-
des sollten sich dann die Einwohner in
Westheim angebaut haben (Varnhagen 40/41).

1349 gestattet Kaiser Karl IV. dem Abte zu Corvey
in Horhusen einen Freistuhl zu errichten,
in dessen Bezirk Dorpede, Twiste und Westheim
ausdrücklich als eingeschlossen erwähnt
werden. Diesem Freigericht wurde 1349
ein Freigraf comes…. in der Person des
Heinrich Miniken vorgesetzt. (Falke tradit.
Corticus p 525 f.e. pag 273.)

1353 Swiker von Westhem, ein Greve, versetzt
an …….. Bieleveldes 16 Morgen Land, die
am Nunnehange und am Schürenberge
liegen, sowie eine Wiese de Diek (Teich)
genannt, für 33 Schillinge unter Vorbe-
halt des Rückverkaufs. Zeugen: Herr
Syvert, der Kirchherr (Kerkher) von Westheim,
Swiker de Westhem und Ulrich Bileveldes,

13

„sub nostro (des Graven) sigillo ….(!). …-
ginger: (Abschrift aus dem Reste eines
Hardehauser Copiars;- Stolte Urkundenbuch
wie oben; Seite172.
Anmerkung: der Schurenberg und nicht
weit davon „oben in der Wäsche“ die
sogenannte „Diechswiese“ existieren heute
noch; letztere gehört zum Gute Westheim.
Derselbe Swiker „ de Gogreve“ von West-
heim, „der neve (Neffe, der Gebrüder Bielevel-
1354 des“ bezeugt am 31. August 1354 in dom.
decollationis St. Joh. Papt., dass Swiker
Bileveldes im Einverständnis mit sei-
ner“Fraw Greten“ und seinem Bruder
Obric, unter Vorbehalt des Wiederver-
kaufes, seine Kotstede mit Garten
im Dorfe Bellinchhusen, die jetzt vom
Küster Sandern zu Bellinchhusen bebaut
sind: (Herr Bernd Marschalk, eyn prester,
Swiker de Gogreve von Westheim“und
Nolte de Hase“ sind Zeugen.) für 21 Schil-
linge an Johann den Langen zu Boden
und dessen Frau Jutte und Sohn Gerlige
verkauft habe. Es siegeln als Lehns-
herren der „strenge Knape Bertholde
van Epe“ und „Nolte de Hase; außerdem
der Knappe Johann v. Brobike, de jun-
ge, de wonnet to Blankenrode“ und

14

 

Bitte beachten Sie auch die

>>> Übersetzung <<<

 Swiker de Gogreve von Westheim, der neve der
Gebrüder Bileveldes.
1354 Knappe Obric von Westheim und benannte
Ritter bekunden Beilegung der Streitig-
keit zwischen ihnen und dem Kloster
Hardehausen, gelegentlich der Bruder von
Epe in der Weise, die alte Grenze bei-
zubehalten. Sofern das ohne Wissen ver-
letzt wird wollen sie Genugtuung leisten
und auf Verlangen binnen 14 Tagen
zur Buße in 4 Städten der Diözese Pader-
born mit zwei Knechten im Bußhemd
Lichter um die Kirchhöfe zu tragen. Ulrich von 2.
Westheim verpflichtet sich, für den zuge-
fügten Schaden 4 Mark Warburger Pfennige
an das Kloster Hardehausen zu zahlen.
Ludolf und Johannes v. Horhusen, sowie
Swiker von Westheim, UlrichsVater, sie-
geln. „Et nos Ludolfus et Joannes dicti
de Horhusen et Swickerus de Westheim famuli
ad preces Obrici et Rihem predictorum si-
gillo nostra appornimus …. scripto in
testunomium et rotur premissorum.
Datum anno Domini MCCC quinquagesimo
quatro, domenica qua cantatur Oculi mei.
Super scriptionem videlicet “consignavimus
prensentibus approbamus sub codem anno
et die Domini, quo supra (Zeitschrift für

Urkunde Westheim 1354 März 16., Übersetzt von Studiendirektor Klaus Bogedain

„Ich, Knappe Ulrich von Westheim, und genannter Rike anerkennen durch Bezeugen in diesen Urkunden, dass der Streit, geschehen und entstanden zwischen den Mönchen, dem Abt und …
dem Konvent von Hardehausen auf der einen Seite und uns auf der anderen Seite gelegentlich (=aus Anlass) der genannten Brüder von Epe ganz und gar beigelegt ist, in folgender Art und Weise, nämlich dass wir die alte und unverletzliche Grenze den genannten Mönchen versprochen haben mit Geben der Zusicherung und Leisten der Eide auf die wirklich geweihte Hostie Gottes und vor den Anwesenden versprechen, sie so wirksam einzuhalten, solange wir leben, dass wir den nämlichen Mönchen und ihren Untergebenen nicht später feindlich gesinnt sein und Schaden oder Ärger auch künftighin bereiten dürfen.

Wenn aber das Gegenteil durch uns oder einen von uns unwissentlich geschehen sollte, verpflichten wir uns von dem Zeitpunkt der Forderung an durch gemeinschaftliche oder getrennte Berechnung im Verhältnis zum den genannten Mönchen zugefügten Schaden Genugtuung zu leisten oder der eine von uns, der angeklagt sein sollte. In Wahrheit, wenn jeglicher Widerspruch weit entfernt ist,
werden wir noch mehr schuldig sein, den genannten Mönchen und ihren Untergebenen Nutzen und Förderungen getreulich aufzuwenden nach unserem ganzen Vermögen. Überdies sind wir geistliche Buße schuldig, in vier Städten der Paderborner Diözese ein jeder von uns mit zwei Knechten eine Wachskerze von einem Pfund und die zwei Knechte ein jeder eine Wachskerze von einem halben Pfund in den Händen tragend vor dem Kreuze in jeder der vier genannten Städte ohne Kapuzen und mit völlig nackten Körpern, nur mit Hemd und Hose, auf den Kirchhöfen um die Kirchen herumzu-
gehen, wenn wir in diesem Sinne durch die Genannten binnen 15 Tagen gemeinsam oder getrennt aufgefordert sind.

Ebenso ist unter uns auch die Vereinbarung, dass ich, obengenannter Ulrich, für den Schaden, der durch mich den genannten Mönchen zugefügt wurde, 4 Mark Warburger Pfennige innerhalb des mir angezeigten Termins zu bezahlen schuldig sein werde und den oft genannten Mönchen schulden werde. Dass wir alles Vorausgeschickte insgesamt und einzeln getreulich mit Geben der Zusicherung und Leisten der Eide auf die wirklich geweihte Hostie Gottes einhalten werden, haben wir uns verpflichtet und verpflichten uns vor den Anwesenden zu dem Vorausgeschickten völlig ohne List und Tücke.

Zur Augenfälligkeit dieser Sachlage haben wir das vorliegende Schriftstück beglaubigt durch die Siegel der genannten Ludolf und Johannes von Horhusen und des Swiker von Westheim, des Vaters des obengenannten Ulrich. Und wir, die genannten Knechte Ludolf und Johannes von Horhusen und Swiker von Westheim, haben auf Bitten des vorgenannten Ulrich und des Rike unsere Siegel dieser Urkunde zum Zeugnis und zur Stärkung des Vorangeschickten eingesetzt.

Gegeben im Jahre des Herrn 1354, am Sonntag, der genannt wird „Oculi mei“ (1). Der Einsetzung nämlich von „consignavimus“, dem Vorliegenden, stimmen wir zu unter dem nämlichen Jahr und am Tage des Herrn wie oberhalb.

Original auf Pergament aus dem Klosterarchiv z.Z. im Besitz der Stadt Warburg, die Siegel sind ab. Das Wort „consignavimus“ ist in der Urkunde nachträglich über die Zeile geschrieben und wird hier am Schluß beglaubigt. In der Übersetzung ist oben das deutsche „Wir haben beglaubigt...“ kursiv geschrieben und unterstrichen.

 

(1) "Oculi mei" - Anfangsworte des Psalms 24, 15 ff. als Beginn des Introitus, nach denen der 3. Fastensonntag benannt wird. Im Jahr 1354 fiel er auf den 16. März.

15

Geschichte und Altertumskunde Westfalens
Bd. 49, Jahr 1901. Seite 202. Original aus
dem Hardehäuser Klosterarchiv jetzt im
Besitz der Stadt Warburg, die Siegel ab
das Wort „consignavinius“ ist in der
Urkunde nachträglich über der Zeile
geschrieben und wird am Schlusse be
glaubigt.

1354 Nach dem um das Jahr 1354 angefer-
tigten Lehnsregister des Stiftes Corvey
ist von demselben „mit dem Zehnten
zu Aspe und einem Gute daselbst, der
Knappe Bodo v. Westheim“ belehnt.
(Wigands Archiv Bd. 6, Seite 392.)

1364 Kaiser Karl IV. ernennt 1364 einen Frei-
grafen für den freinen Stuhl zu Hor-
husen, „unde waz derzho gehöret dem
Stiffte Azo Corbey, Azo Twisne, Dörpede med
Westheim.(Falke Trad. Cort. 273, 274 u. 525.)

1541 Zwei Jahrhunderte später 1541, wurde in
einer Beschreibung des Gaugerichtes
„auf den Stoppeln vor Marsberg“ zu die-
sem Gerichte gerechnet: Cannstein, Udorf,
Lettsmar, Heddingsen, Giershagen, „die Mär-
kener, die seien aus der alten oder neuen
Stadtberge“, Erlinkhausen Oesdorf, Westheim
Helminghausen, Hesperinghausen, Schedhagen,
(Kohlgrund) Neudorf. (Spilker, Geschichte der

16

Grafen v. Everstein, Seite 152)
3.
Vor dem 16. Jahrhundert hielten die eigentüm-
lichen Verhältnisse worin Corvy und Cöln we-
gen der Marsberger Besitzungen standen, und
das Auftreten der Grafen v. Waldeck, die
Landeshoheit über Oesdorf und Westheim u.a.
vollständig in der Schwebe.

Das westfälische Wappenbuch des Herrn v.
Spieß führt noch 2 verschiedene Wappen der Her-
ren v. Westheim auf:

Wappenbilder

Das Wappen No.1 wurde im Bredelaer- das an
dere No.2 im Dalheimer Klosterarchiv gefunden.
1390 Beide sind Siegelabdrücken entnommen und

17

weisen auf die Zeit um 1390.
Bis ins 15. Jahrhundert lassen sich
die Herren von Westheim wohl nachweisen.
Sie erscheinen zwischen 1075 – 1390, um
dann, soweit die hier bekannten Daten
reichen, aus der Geschichte zu verschwin-
den. Während der Fehden, die am
Ende des 14. Jahrhunderts an der Diemel
zwischen Paderborn einerseits, den Herren
v. Padberg und Brobeke und zumal den
Grafen v. Waldeck andererseits, ausge-
fochten wurden, gingen manche Ge-
schlechter und Kirchdörfer zu Grunde, wie
z.B. Essentho, Dorsten (jetzt Gut Wohlbedacht),
Kerkelen und manche andere. Wahrschein-
lich war das auch das Schicksal von
Westheim und seinen Herren, wenn
nicht vielleicht der „Schwarze Tod“ ihnen
den Untergang bereitete. Westheim
wird im15. Jahrhundert in den Registern
der Archidiakonalsitze nicht mehr als
Pfarrort genannt.

Ebensowenig wie der Zeitpunkt des Er- 4.
löschens der Herren v. Westheim ließ sich
bisher der Übergang Westheims an

Herren von Calenberg
feststellen. Bestand eine Verwandtschaft

18

zwischen beiden Geschlechterntop 1541 Zwei Jahrhunderte später 1541, wurde in? Oder eine Lehns-
Brüderschaft! Höchstwahrscheinlich erst im 15.
Jahrhundert kam ein Zweig der Herren v.
Calenberg nach Westheim. Sie bildeten mit
den Raten v. Papenheim – C dem Hardehäuser Klosterarchiv jetzt im Helminghausen, Hesperinghausen, Schedhagen, dann, soweit die hier bekannten Daten anstein eine Sippe unde hatten auch beinahe dasselbe Wap-
penbild: einen gekröteten Raben.
In der Urkunde von 1269 erscheinen die Herren
v. Westheim als Besitzer des Flestunger Zehnten.
1340 Am 1.XII. 1340 bezeugt Husariac in crastino
Andreae Abt Theodorius v. Corvey 1336 – 1359, daß
Bertholdus de Calenberg mit seinem Bruder
auf das Recht auf den Flessunger halben
Zehnten, den früher die v. Dimele und Gott-
schalk de Westheims vom Stift Corvey zu Lehen
getragen, resigniert haben. Daher sei nun
das Recht auf das Kloster Marsberg über-
tragen. Zeugen:Raven de Papenheimb, Frie-
drich und Arnold v. Bistheimb / Westheim?)
Knappen; Albert junior und Herboldus de
Amelunxen, Knappen (Bernard Stolte.
Urkunden. Paderborn 1905. Seite 157.)

1358 Die Priorissa Kunegunt v.Antode ver
pfändet Berthold v. Calenberg ihren Hof zu
Dalheim für 6 Mark (Chronik v. Dalheim
f. XVIII.)

1365 Reinike v. Calenberg verkauft für 10 Mark ein
Gut zu Syrexen (Boiden Gudt) an Bernd, den

19

Propst zu Neuenkirchen (Chronik von
Dalheim f. X.c.III)

1384 Gyro v. Calenberg wird, als Dienstmann
Simon II., Graf v. Sternberg, Bischofs v. Pader-
born,in dessen Fehde gegen Blancenrode
genannt. (Schaten II. d.a. 1388.)

1389 Im Bengler-Bund 1389 waren neben 5.
den Herren v. Calenberg, auch die Herren
v. Cannstein, Brobeke, Pappenheim und
viele andere genannt. (Seiberts.c.f.
Land- und Rittergesellschaften Seite 188).

1429 Um die Kultur des „Sentfeldes“ in etwa
wieder zu heben und herzustellen,
suchten die Adelsfamilien v. Padberg, v.
Calenberg, v. Brobeke, v. Horhusen, den
Prälaten von Bödeken zu bewegen,
das 1389 zerstörte Kloster Dalheim wieder
aufzubauen und versprachen alle dem
Kloster gehörenden Pachten, Grundstücke,
und Zehnten wieder herbeizuschaffen. (Chro-
nik v. Dalheim Bd. 1 f. XVI.)
Anmerkung: aus dem hier Angeführ-
ten, mag es Daten oder Namen be-
treffen, lässt sich indes nicht mit
Bestimmtheit Westheim als Wohnort
oder Besitztum der Herren v. Calenberg
nachweisen. Sollte aber die aus folgen-
der Urkunde hervorgehende Beteiligung

20

der Herren v. Calenberg an einer Grenzberichti-
gung zwischen Hardehausen und den Herren v.
1448 Brobike aus dem Jahre 1448 auf deren Herr-
schaft über Westheim zu deuten sein?
Laut dieser Urkunde begeben sich der Knap-
pe Herbert v. Brobike und seine Frau Bertha
der Feindseligkeiten gegen das Kloster Har-
dehausen, vergleichen sich mit demselben
wegen der „Snede“ dahin, dass die im
Jahre 1427, am 23. März auf Grund der
Weisung alter Leute zwischen dem
Abte Hermann von Hardehausen einer-
seits und zwischen Heidenreich von Calenberg
von der Calenberg’schen wegen und Geyre
v. Brobeke, Herborts Bruder von der Brobek-
schen wegen vereinbarte Schnade zwischen
den Marken Pominchhusen, Bellinchhusen
und Blankenrode, worüber eine vom Abt
Albert, damaligen Subprior geschriebene
Urkunde vorliege, in Kraft bleiben solle.
Außerdem sagt genannter Herbort dem
Kloster Hardehausen das Recht zu, für die
Klostenjagt auf Brobek’schen Grunde und
Boden, „hagen de howende“ und in der




Jagdhütte, „to goder wys holt to bernen”, 6
die Schafherden des Klosters auf Brobek’schem
Eigentum auf der Dymelen, auf dem Sass-
felde und sonst zu hüten und dabei Holz zu

21

siehe 22, doppelt fotografiert

22

„bernen to der drifft“ und endlich „koppen
(Hopfen) to snidende“..
Diesen selben Vergleich bestätigen noch
verschiedene weitere Urkunden (Stolte,
Urkunden. 1905 Seite 228).
Anmerkung: Hopfen wächst noch heute
vielfach wild an der Diemel. Was
heißt, „hoppen to tende“. Soll damit das
Abernten des wilden Hopfens gemeint
sein? Und „pipen de snidende“? Sollten
„pipen“ Weidenruten sein oder etwa
gar die jungen Hopfentriebe, die zu Ge-
müse vielfach gestochen werden? ähn-
lich wie beim Spargel Spargelpfeifen.
Geyr und Heidenreich v. Calenberg hat-
ten 1429 alle ihre Güter zu Dahlheim
zum Wiederaufbau des dortigen Klosters
1454 geschenkt. 1454 bestätigt Johann v. Calen-
berg diese Schenkung (Chronik von Dalheim
Fol. XIX).

1455 verkauft Johann v. Calenberg dem Klo-
ster Dalheim ein Gut in Synxen (Uriken
Gut) genannt. (Chronik von Dalheim f.94).
Ein Begang des Klosters Dalheim am 11. VIII.
1480 1480 wegen Grenzstreitigkeiten mit War-
burg und Hardehausen verdient hier er-
wähnt zu werden. Außer Herbord v.
Brobeke gingen noch alte Zeugen mit.

23

Sie kamen u.a. vom Liebfrauenberg (unser
lewen frowen …….) hinab, erreichten west-
lich davon die Fischteiche bei Oddenhusen,
kamen in das Tal Wäsche geheißen, stie-
gen den Diekberg (Dieberg) hinauf, der jedoch
mit seinen Teichen zu Nuttlon gehört, und
gingen dann links nördlich zu den Blei-
kuhlen unterm Haselbusch. Es erfolgte die-
ser Gang durch den bestellten Notar auf
die Klagen des Priors zu Dalheim Johann
Lonsbeck, der fürchtete, es möchte dem

Kloster sonst so gehen, wie mit den Gü-
tern desselben zu Dorston, Essentho, Beffte,
Westheim, Dorpede, Velsberg, die von Andern
widerrechtlich in Besitz genommen waren.
(Ausführlicher in der Oesdorfer Pfarrchronik der
Vorstehendes entnommen)
7.
1483 Die Herren v. Calenberg verständigen sich
mit Dalheim inbetreff der „Hunger-Kämps“
zwischen Dalheim und Husen. (Chronik v.Dal-
heim f.138.)

1493 Die Herren v. Calenberg zu Westheim führen
unter den gemeinschaftlichen Besitzungen
der Familie den Zehnten zu Aspe auf. (Wi-
gands Archiv. Bd.V Seite 50).

1493 schließen Hermann der Ältere v. Calenberg
und seine Söhne Hermann, Friderik, Reineki
einerseits, und Wolf, Raven Gevatter v.

24

Calenberg andererseits einen Gauerbschafts-
vertrag über ihre sämtlichen Güter.
Darin heißt es, „Item Westheym uppe de
Dymelen, beneben dem Marsberge myt
aller Gerechtigkeit, Wosen, Water, Weyden,
Tegen den Holt, feld, Gerichte. (Gekede nicht
utkliescher!) ist Hermann der Ältere und
synen Sonne vorghalf , Wulfens und Ravens
de annere Helfte“ usw. (Archiv für
Geschichte Westfalens Bd.V. G 1.)

1493 Erzbischof Dietrich v. Cöln, als Vorsteher
17.X. des Stiftes Paderborn, bestätigt als Lehns-
herr der vom Stift Paderborn lehnrühri-
gen Gesamtfischerei zu „Bellinchhusen
up der Dimele“ an Hardehausen am 17.
Oktober 1493. Billinghausen denn das ist
es , war damals ein Dorf mit eigener
Kirche, dessen Pfarrer mehrfach erwähnt
werden.
Anmerkung: Notizen des Pfarrarchivs zu
Westheim erwähnen Billinghausen als
ein Nonnenkloster reg St.Bernardus, das
in der Reformation abgefallen und Ta-
felgut der Grafen v. Waldeck geworden
sei.

1494 wurde von Wolf und Raven v. Calenberg
und den Konventualen von Dalheim
ein Schnadzug gehalten, bei welchem die

25

beiderseitigen Grenzen festgestellt wurden. Die
Calenberger verzichten auf ihr Recht an die
"Neue Mühle". (Chronik von Dalheim f. XIX.)
1504 Hermann v. Calenberg verzichtet 1504 auf alle
Besitzungen in Dalheim und bestätigt die Schen-
kungen seiner Vorfahren (Chronik von Dalheim
f. XIX.).
1504 war in Westfalen Erdbeben.
1536 Grenzstreitigkeiten zwischen den Herren v.
Calenberg und dem Kloster Dalheim in betreff der
Dorfmarken von Nuttlon, Snefelde, Vetsberg ent-
schied das fürstliche Gericht zu Gunsten Dalheims.
Dennoch dauerte der Zwist fort, bis ein gün-
stiger Vertrag von 1573 einen gütlichen Ver-
gleich ergab. (Dalheimer Chronik)
Anmerkung: Von 1193 an weiß man mit
Bestimmtheit Westheim im Besitz der Fami-
lie v. Calenberg. Damals scheint auch die Tei-
lung in 2 Linien schon angedeutet, wie
sie später im Westheimer Unter- und Oberhaus
zu Tage trat.
1537 Aus dem Jahre 1537 bestätigt ein früher am
sogen. Unterhause befindlicher, später in
das alte Astronomiegebäude eingemauerter
endlich bei dessen Abbruch in das Zimmer
des Grafen H. Stolberg überführter Wappen-
stein sehr schöner Arbeit, das Herrenge-
schlecht der Calenberge. Neben dem (größeren)

26

Calenberger Wappen (links) ist ein Frauen-
wappen (3 Pfeile) dargestellt, das bisher
nicht mit Sicherheit festzustellen war.

2 Wappen

II.

(Kl.Wappen) Nebenstehendes Wappen, dem
Siebmacher'schen Wappenbuch
entnommen, ist das der
Herren v. Riseleben ? Ob es das
des Steines ist??

27

 Anmerkung: Beim Abbruch der alten Kirche
fand sich im Pflaster des Chores, im Unter-
bau des Altares, ein Grabstein, auf dem
dasselbe Wappen an der rechten unteren
Ecke vorkommt; jedoch ist der darunter
befindliche Name nahezu zerstört. Das
aus kunstloser Arbeit in einem hier
nicht einheimischen Stein gefertigte Epitaf
dürfte dem Enkel jenes Calenberg gesetzt
sein, dessen Wappen von 1537 umstehend
abgebildet ist. Die deutsche Sparsamkeit
des Grabsteines kann einem wohl auf den
Gedanken bringen, ob nicht jener Calen-
berg protestantisch gewesen sei? Ohnehin
läßt der Untergang der alten Pfarre
ähnliches vermuten. Die Annahme des +
Pfarrers Köhler, daß das Dorf allein ab-
gefallen gewesen sei, die Familie v. Calen-
berg aber am alten Glauben festgehalten
habe, erscheint eher zweifelhaft, dage-
gen erstere Ansicht, daß auch die Familie v.
Calenberg protestantisch geworden sei, findet
noch eine besondere Bekräftigung im
Text der Inschrift selbst der offenbar
der Bibelübersetzung Luthers entnommen
scheint, wo Weisheit Salomon 3.V.I. heißt:
"Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes
Hand und keine Qual rühret sie an".

28

Die Seelen der gerECHTEN
sind in GOTTES (rechts Zeichnung
HaND KEINE des Grabsteins.)
Trübsal ruEHRET
sie AN.

Zu diesems Grab-
stein (rechts) ist

( Zeichnung)

dies steinere
Bruchstück mit dem
Calenberger Wappen
voraussichtlich zu-
gehörig.

29

1578 Die Knappen Raven und Hermann van dem Ca-
lenberge (vergleiche Urkunde von 1493) beleh-
nen den Ludolve Snarmann, Bürgermei-
ster von Paderborn mit dem halben Zehnten
zu "Flessungen by dem Berge". (Stolte, Ur-
kunden Seite 409. 1905.) Ebendort Seite
138 wird ein Vertrag des Ebert und Heiden-
reich v. Calenberg "über seinen Besitz bei Hau-
sen (Husen) und der umliegenden Wiesten-
ge und zu Lichtenau mit der Schaftrift"
erwähnt.
Von 1518 ab befindet sich das Geschlecht der
Herren von Calenberg bis 1813 im unterbro-
chenen Besitz von Westheim.
1660 kam zwischen den Kloster Dalheim und
den Herren v. Calenberg ein Vergleich zu
Stande, wegen der Maß und Nachheide in
der Fister Mark und zu Husen. (Dalheimer
Copialbuch fol. 154 und 155.)

IV.
Ein Zweig der Herren v. Calenberg be-
saß im 18. Jahrhundert zeitweilig Ober-
kamenohl an der Lenne, das von ihnen
auf die Daldrigh und von diesen an die
Vögte v. Elspe, bis auf die Herren v.
Bodelschwing (Plettenberg) überging.
Zwischen Calenberg und Warburg lag früher
ein Dörfchen Holthusen mit einer Ka-
pelle und Beneficium zu Ehren des hl.

30

Nicolaus, den Herren v. Calenberg zuständig.
1650 Seit 1650 benutzte die Familie v. Calenberg
die Einkünfte zu Studienzwecken für
ihre Kinder, etwa in den zwanziger
Jahren wurde dies geistliche Lehen mit
der Pfarrstelle in Westheim vereinigt.
Über obiges Beneficium heißt es im
alten Pfarrbuch: "Das Beneficium ad St.
Nicolaum rührt aus einer v. Calenberger
Fundation her, und besteht in Finchen
Abgaben, resp. Einnahmen, welche von
einem Kinde der Calenberger Familie zum
Besuch der Universität bezogen wurden,
dessen Collation aber penes episcopum war.
Allein da diese Familie keine männlichen
Erben mehr hatte, und ein zeitiger Pfarrer
die 12 Fundations-Messen ergo Stipendium
lesen mußte, auch aus der Pfarrfundation
Niemand leben konnte, so wurde Werner
v. Calenberg genötigt dies Beneficium nolens
volens mit der hiesigen Pfarre in perpetuum
zu incorporieren.
In 3 Linien (die 3. wohl mehr eine
Nebenlinie) wurde Name und Namen
vererbt. Der Sitz war Rothwersten,
ferner Oberhaus Westheim und
Niederhaus Westheim. Vom Niederhaus
hatte sich eine, mit Curt Reinike I. gräflich

31

gewordene und in Moskau angesessene Neben-
linie abgezweigt.
1778 Zuerst starb 1778 die Westheim-Oberhaus-
Linie aus. Die Besitzungen fielen an
Johann Werner v. Calenberg, Besitzer des Nie-
derhauses Westheim.
1798 Dann starb 1798 Wilhelm Moritz v. Calenberg-
Rothwersten und sein Besitz fiel ebenfalls
dem Besitzer im Niederhaus: Johann Werner
v. Calenberg zu. Dieser vereinigte alles
mit dem gesammten Calenberger Lehns-
besitz; starb aber 1813 kinderlos zu Pader-
born, "ohne gültiges Testament, weshalb
sich ein langwieriges Prozessieren zwischen
Allodial- und Feudal-Pretendenten erhob", wie
es in der Westheimer Gemeindechronik heißt.
Um sein Testament entstand Prozess
zwischen seinen Lehnserben den Grafen
v. Calenberg und seinen Allodialerben, einer
zahlreichen Sippe von Libikonsorten.
Laut Urteil des Königl. Oberlandesgerichts
1821 zu Paderborn vom 20.VI.1821
und des II. Senats desselben Kollegiums
1823 vom 20.12.1823,
sowie nach einem am 2.VII. 1824 mit den
Allodialerben geschlossenen Vergleich fiel
Westheim an den Lehnserben, den Grafen
Curt Heinrich v. Calenberg, in desssen Händen

32

 es aber freies Allod geworden war.
Da Graf Curt Heinrich v. Calenberg 1817
1817 gestorben war, und die ideele Hälfte
von Westheim am 17.II.1817, an den
Land- und Kriegsrat v. Hidessen ver-
kauft wurde, gelangte Westheim
zu einer ideelen Hälfte in den Be-
sitz der Witwe des Grafen Curt v.
Calenberg bezw. in den Besitz deren
Erben, des Grafen Grafen Bernard Hein-
rich Ferdinand, edlen Herrn zu Lippe-
Sternberg.

VI.

Die gräfliche Linie Calenberg war protestan-
tisch, ebenso der Graf Lippe.
1837 vereinigte Hauptmann Engelbert durch
Kauf das Eigentum der beiden ideelen
Hälften in seiner Hand. Am 10. Juli
1840 1840 kaufte von ihm der Graf Joseph
Theodor zu Stolberg-Stolberg das Gut Westheim.
In den 1840er oder 50 ziger Jahren war
dann noch ein Graf Calenberg von Oester-
reich hier, um Erbansprüche an den Calenber-
ger Nachlaß klarzustellen. Er war krank
und in mißlichen pekunären Verhältnis-
sen und verkaufte seine Erbansprüche
an Herrn Ripe in Paderborn und starb
dort schon bald nachher. Herr Ripe folgte
damit ob und soll daraus an Rent-

33

Abfällen bedeutende Geldbeträge erworben haben.
Die hier in Frage kommenden Gefälle waren
jedoch nur noch auf den Warburger, ehemals
Calenbergischen Besitzungen begründet. In
Westheim war durch den Vergleich von 1824
das Rechtsverhältnis anderweitig geregelt.


(Stammbaum)

34

 In der Zeit ihres Bestehens hat die Fami-
lie v. Calenberg mehrfach fromme Stiftun-
gen für die Kirche, die Schule oder die
Armen von Westheim gemacht. Be-
sonders erwähnenswert sind die Stif-
tungen des Franz v. Calenberg, der in
Fulda Propst und Luberta v. Calenberg,
die Äbtissin des Stiftes Geseke war.
Der Wortlaut dieser Stiftung ist fol-
gender:
"Im Nahmen der Allerheiligsten und
Unzertheileten Dreyfaltigkeit.
Amen.
Ich Anna Lubberta von Calenberg, Abber-
tissin deß hochadeligen ....... welt-
lichen Stieffts Geseke thun kundt und
bekennen hiemit, demnach Ich den an-
theil von einigen 800 ..... , welche mein
liebe Fraw Baes weyland die hochwohlgeboh-
rene Fraw Anna Elisabeht wittib und
gebohrene von Calenberg hochsehligen anden-
kens mihr und meinen beyden Frl.
schwestern Clara Elisabeth und Anna Ca-
tharina von Calenberg per donationem
inter viros geschenkt hatt, sambt darort
restinenden Interesse nach Abzug der
deshalb angelegten Kosten 350 sage
dreyhundert fünfzig .... zu höchsten

35

 Ehr Gottes und der seehlen und daß näch-
sten bestens zu verwenden resolviret,
daß ich dem zu folge mit weisem Rath
als verordnet, disponieret und guthbefun-
den, daß von dem von als solchen 350 ...
welche ich nunmehr bey meinen Herrn
Brüderen dem hochwohlgebohrenen Herr
Ivan Melchior von Calenberg her zu West-
heim Wizingen und Rostwentheim und
auf dessen güthern in Sp.... den zehndten
zu Ostorff und Westheim zum Capital be-
legt: / einkommen von jährlichen Zin-
sen ad 17 1/2 sage zu sieben zehn und
einen halben .... der zeitigen her Pastor
zu Westheim jährlich 5 ... genießen und
dafür durchs Jahr alle Monath eine Messe
vor die seehl hochbesagter meiner fraw
Baes Anna Elisabetha von Calenberg und
nach meinem absterben vor meine oder
die sonst aus unserer Familie eines suf-
fragiv in dem Feyfeuer anoch nöthig hätten
sonsten aber vor deren seehlen die Zeit
Lebens sonderliche verehrer der aller-
heiligsten Mutter Gottes und Jungfrawen
Mariae gewesen, so dan zu Ehren
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit 3 Maß
umb Erhaltung Fried und Einigkeit
behte, und weilen der Küster dieserhalb

36

in der Kirchen mehr aufwarten muß,
soll selbiger auch davor 1 rhltr 9 gr.
jährlich zu erheben haben und der Kirchen
vor wein, hostien, und licht 1 rhltr
9 gr- zu gute kommen. Weiter
soll von diesem Interesse der zei-
tigen Schulmeister jährlich 2 rhltr und
dafür drey arme Kinder ohne weite-
ren Entgeldt zu lehren empfangen
und sollen zu beschaffen der Kleyder
solchen dreyen Kinderen deren Eltern
oder anverwandten oder dieselben bey
sich erhalten werden jährlich 3 also vor
jedes Kind 1 rhltr gezahlet werden.

Weilen nun nach Abzug dieser gelde images/stories/geschichte/chronik1/11.05.2004_08.14.10_P5110023.JPGbr / src=br /font size=br / Lebens sonderliche verehrer der aller-r
5 rhltr übrig bleiben, so sobr /tr2br /br /llen selbige
nach gut befindenbr / src=br /font size=br / Lebens sonderliche verehrer der aller- zeitlichen Besitzern
des Hauses Westheim zur Information
anderer armen Kindern Mädtgen oder
Buben nach dem der schulmeister da-
von vor sich 24 gr. vorab genohtop23 sein, dessen Wappen von 1537 umstehend#FFFF99 style=/pmen,
vertheilet werden, und sollen die
schulkinder alle sambstag in der schule
zu meiner Intention und Meinung
3 Vatter unser und 3 Ave Mariae betten,
über dieses alles will ich den zeitlichen
Pastori den Empfang außgab und dis-
position der gestaldt aufgetragen haben,

37

daß er die obligation auf erwähntes Capitale
der 350 rhltr in Archivio Seclesia bey anderen
Kirchen briefen nach meinem gottgefälligen
Todt wohl verwahre, die Interesse davon
bey dem Haus Westheim und dessen zeit-
lichen Besitzeren, oder welcher das Capital
mit vorwissen der Possessoren des Hauses
Westheim zu verzinsen, ins Künftige über-
nehmen würde, jährlich trewlich und fleißig
beymachen, und nach vor hin gesetzter Ver-
ordnung dispensiren, so dan alle Jahre dem
Besitzeren deß Hauses Westheim accurate
rechnung gebe, und woh er dießfals eini-
ge fernere Kosten auf legen müsste, soll
Err dieße auß dem überschuß vorhin zu
nehmen befugt seyen. Dan will ich

II.
auch vorhin genannten meinen Heren
Brüderen und dessen Descendenten von
der Familie von Calenberg wie auch zei-
tigen heren besitzern deß Haußes Westheim
auch wo selbige darin noch seyen würde
alle geist und weldtliche Obrigkeit instän-
digst gebetten haben, acht zu haben, daß
dieser meiner verhoffentlich gottge-
fälligen Intention ohn fehler nachgelebet
und alsolche jährliche Interesse ad pias causa
vorhingesetzter maßen richtig verwen-
det, verordne, zu dessen mehrer Be

38

kräftigung Ich dan Ihre hochwhl. den Herrn
Vicarium Generalen in Spiritualibus zu
Paderborn hiermit demüthig ersuche dieße
meine fundation und Verordnungen
Akoritate ordinaria zu confirmiren, be-
kräftige und bey dem Archivis Nica-
riatus Generalis so wohl eine Copy von
der Obligation auf die 350 rhltr, also
auch von dieser fundation zu apernieren
verkundt meiner eigenen und ange-
bohrenen adelichen Pittsaft so geschehen
Geseke des 18. Novembris 1724.
1448 Brobike aus dem Jahre 1448 auf deren Herr- width= aus kunstloser Arbeit in einem hier/b1font size= 1.) Wenn dieses Capitale sollte abgelegt
werden, soll ein zeitlicher Possessor des
oberen Hauses Westheims mit dem h. Pastor
sorge tragen, das es vor allen Dingen
voll und sicher angelegt werde, solches wirdt
ihnen auf ihre seell und gewissen an-
befohlen.


Nos Pantaleon Dei et Apostolica Sedis
Gratia Episcopus Thyatirenus, per Civitatem
et Diocesi kane Paderbornensem in Spi-
ritualitus Administrator Apostolicus et
Suffraganeus, Abbas Abdingh-hoffensis, Sacra
Congregationis Benedictino-Bursfeldensis

39

per Germaniam Praeses Principalis Archidiaconus
in Ahne et Thide, omnibus haxeristeris Salu -
tene in Domino.
Cum Roma ac Perillustris Domina lu. Anna
Luberta de Calenberg Imperatis ac Saccularsi
Capituli Gesekensis Abbatissa, fundationem
Praesentem notiar par impetrando approbetione
ratificatione et confirmatione fecerit presenta-
bri. Nos a quae enidem petitioni deferentes
cum pia haci fundatio ad majorem Dei gloriam
Salutem animarum, et metiorem juventutis
instructionem tendat, candem laudandam.
approbandam et confirmandam duxinus, par
est per praeventis anthoritate Episcopati et
ordinaria in omnibus punetis et clausutis
illam laudamus, approbonis et confirmanus
in quorum fidem hic Sigillo nostro numi
tis propria mani Intseriptionum.
Paderbornae die Seconda januaris
Anno Millesimo Systingentesimo vigesimo
quinto.
Pantaleon Administrator en
Spiritualitus deputationi.

40

Es dürfte gewiß von Interesse sein
bei der Geschichte Westheims, auch über Ur-
sprung und Schicksal zweier Ortschaften
zu erfahren, die im Laufe der Zeit als
solche untergingen, deren Namen aber
erhalten blieb und die örtlich zum Ter-
ritorium von Westheim gehören.


Aspe.

An den Fuß des Hohenlohes schmiegte sich
ein Dorf Aspe genannt, welches dem
Hohlweg den Namen „Asper-Grund“
gab.
Schon in früher Zeit wird das Geschlecht
der Ritter v. Aspe erwähnt.
1200 Ritter Adam v. Aspe schenkt der Kirche
zu Marsberg den Zehnten 18 Denare zu
Hasselborn (Chronik v. Dalheim f. 123).

IV.
1219 Ritter Adam v. Aspe verkauft 2 Hufen
Land bei Hasselborn an Bredelar und wi-
derholt den Kauf mit Zustimmung seines
Bruders und Stiefvaters.
1222 Adam v. Aspe schenkt 4 Mausen im
Sentfelde dem Kloster Bredelar (Chronik v.
Dalheim f. 45)
1227 stiftet derselbe eine Memoria für sich und
sein Geschlecht und weißt dazu 6 schwere
Denare aus dem Zehnten zu Hasselborn
 

41

an (Dalheimer Chronik f. 18 . Westfälische Urkunden
Bd. IV. No. 159 Seite 106).
1240 wird die Stifung von 1219 nochmals bestätigt
(Westfälische Urkunden Bd. IV. Seite 54 No. 80.)
1248 den Kaufvertrag zwischen Corvey und Bredelar
vom Jahre 1248 unterzeichnet u.a. auch ein
Ritter Adam v. Aspe (Westfälische Urkunden
Bd. II No. 389).
Durch seine Freigebigkeit zeichnete sich dieser
Adam v. Aspe 1240 – 1259 besonders aus. Derselbe
1250 schenkte 1250 mehreren Kirchen u.a. Westheim
Nesdorf, Essentho eine Rente zur Anschaffung
des Messweines an hohen Feiertagen,wie
Ostern, Pfingsten, Weihnachten; „damit er nicht
mehr, wie bis dahin üblich, erbettelt werden
soll.“ (Seibertz Urkunden Bd.I. Seite 328 und
264).
1278 Berthold zu Höxter, Bürger zu Marsberg er-
wirbt von Gerlach v. Essbyke gen. Dickeberg
dessen Güter in Aspe als Lehen (Seibertz.a.a.
O. Urkunden No. 384)
1285 macht ein Ritter v. Aspe dem Beguinen-
haus zu Ober-Marssberg eine Schenkung (J.
W. Fischer „die Eresburg“ f. 118.) Seibertz Urkunden I.
Seite 558)
Von jetzt ab werden die Herren v. Aspe
nicht mehr genannt, wohl aber noch der
Besitz Aspe als solcher.

42

siehe Seite 44, doppelt fotografiert

43

 siehe Seite 45, doppelt fotografiert

44

1294 Graf Otto v. Waldeck belehnt den Ritter Di-
derich v. Medenike mit einem Hofe, curia
zu Aspe. (Spilker, Geschichte der Grafen v.
Everstein Urkunden No. 252a)

V.
1311 Ritter Obric v. Westheim schenkt dem
Stifte Corvey für Güter, welche das Stift der
Kirche zu Beringhausen gegeben hatte, 5 Hufen
zu Aspe nebst 4 Hufen zu Westheim und
7 ½ Hufen zu Velzeberg (Falke tradit Corb. pag.
723)
1325 Conrad v. Horhusen, Knappe, tritt an seinen
Bruder ein Gut in Aspe ab (Seibertz Urkun-
de Bd. No. 614).
1338 Bodo v. Horhusen ist von dem Grafen Gott-
fried v. Arnsberg mit Gütern zu Aspe be-
lehnt.
1354 In dem 1354 angefertigten Lehnsregister
des Stiftes Corvey heißt es:“ Der Knappe Bo-
do v. Westheim mit dem Zehnten zu Aspe
und einem Gute daselbst.“ (Wigands Archiv
Bd. VI. Seite 392.)
1416 In dem Güterverzeichnis des Klosters Brede-
lar wird unter den Besitzungen des Klo-
sters aufgeführt:“ Item to Aspe“, ein Gut
und „is wöste“ (Seifert, Quellen der West-
fälischen Geschichte, Bd. I. Seite 150)
1455 Das Stift Corvey schenkte seine Rechte an
dem verwüsteten Dorfe Aspe dem Kloster

45

Dalheim.(Wigands Geschichte Bd. I Heft I. Seite 25
und 26).
Um dieselbe Zeit hatte auch die Familie v.
Brobeke ihre Ansprüche an den dritten Teil des
Dorfes Aspe dem Kloster Dalheim schenkwei-
se überlassen.
1493 Die Herren v. Calenberg zu Westheim führen
unter den gemeinschaftlichen Besitzungen
der Familie den Zehnten zu Aspe auf
(Wigands Archiv Bd. v. Seite 5)
1496 Philipp Graf v. Waldeck belehnt den Prior
und Convent zu Dalheim mit einem Drittel
des Dorfes zu Aspe (Chronik v. Dalheim f.
XXXIII.
1497 vergleichen sich Dalheim und Bredelar dahin,
daß Dalheim unter andern 1/3 der Mark Aspe
an Bredelar zurück gibt (Westfälische Urkun-
den 225).
1526 Philipp der Aeltere, Graf v. Waldeck über-
läßt 1/3 der ganzen Mark Aspe, welche frü-
her dem Prior und Convent Bredelar besessen
hatte, dem Kloster Dalheim als Lehen. (Chro-
nik Dalheim f. XXXIV.
VI.
Aspe muß in der Benglerfehde zu Grunde ge-
gangen sein. Der Grund und Boden von
Aspe gehört gegenwärtig teils nach Westheim,
teils nach Desdorf. Abgaben, Zehnten, Hude-
gerechtsame sind in neuerer Zeit durch die

46

rheinisch-westfälische Rentenbank zu
Münster abgelöst.

Velsberg.

Den kahlen, schroff abfallenden Felsberg,
nord-östlich von Westheim, krönte
einst ein Dörfchen gleichen Namens.
Es wird in verschiedenen Urkunden
erwähnt.
1311 schenkt Ritter Obric de Westeym dem
Stift Corvey 7 ½ Hufen zu Velzeberg. (Falke
tradit. pag. 723)
1440 wird Veltberg in dem Verkaufsbriefe der
Herren v. Haerhusen erwähnt, welchen ge-
mäß ein halber Zehnt zu Velsberg und
2 Hufen Land an Dalheim übergehen. 1837 vereinigte Hauptmann Engelbert durch Ivan Melchior von Calenberg her zu West-/pfont-family:arial,helvetica,sans-serif; sprung und Schicksal zweier Ortschaftenfont-size:12px; fälischen Geschichte, Bd. I. Seite 150)
(Chronik von Dalheim f. XV.)
1496 Heinrich Lüdeken zu Marsberg schenkt mit
Zustimmung seiner Frau und Kinder dem
Kloster Dalheim 11 Urkunden „sprechen-
de up ickteswedke, leider lange tyd verwöste-
te göderie un nu vor dorpen, dorpmarken,
kleni und grot, by dem berge, an der D….
le hvi eder side, un an dem Sentfelde
belegen, - als Westen, Dorpede, Velsberg, Bodon,
Essentho.“
1480 der schon einmal erwähnte Begang des

47

Klosters Dalheim fand deshalb statt um weite-
re widerrechtliche Wegnahme von Klostergü-
tern zu verhindern, wie sie schon in Dorsten,
Essente, Dorpede, Westheim, Velsberg vorgekom-
men waren.
Wann das Dorf Velsberg untergegangen ist,
vermag man nicht mit Bestimmtheit zu sa-
gen, wahrscheinlich in der Soester Fehde.
An dem Bache am Wäscheberge lag in
der Muddenschlupp die Mühle (jetzt Vigilken-
Wiese, sogen. wegen der zahlichen Stiefmütter-
chen) gleich darüber auf der anderen Seite
des Baches, im sogen. Monsloppe, die Ro-
senkranzhütte, deren Bewohner durch Die-
bereien übel berüchtigt waren. Vergeblich
hatte man sich lange Zeit bemüht, sie aus
1727 ihrem Winkel zu vertreiben. Im Jahre 1727
ließen die Herren v. Calenberg ihnen auf den
Felsberg ein Haus bauen, um sie so aus
ihrem Schlupfwinkel heraus zu locken.Da-
rauf ließen die Calenbergher dieses Haus heim-
lich anstecken und in der Kälte des Win-
ters mussten die Bewohner sich notgedrun-
gen entschließen, nach Westheim zu zie-
hen. Einige Glieder dieser zahlreichen Nach-
kommenschaft, fährt die Oesdorfer Chronik fort,
leiden bis auf den heutigen Tag noch an
diesem Erbfehler („andere leider auch!“) wel-

48

cher dem ganzen Dorfe den Spitznamen
„Stuhr-Westen-Stehlwestheim“ eingetragen
hat.
1760 war im 7 jährigen Krieg das Lager der
Verbündeten in Felsberg aufgeschlagen
1840 ging beim Ankauf von Westheim auch
Velsberg in den Besitz des Grafen Stolberg
über. Seit den 70. Jahren ist dort ein
Vorwerk angelegt, das von der Gräfin
Caroline Stolberg erbaut, im Volksmund
„Carolinenburg“ heißt.


II.
Anmerkung: durch die Güte des derzeitigen
Pfarrers P. Hufnagel ward uns die interessan-
te Oesdorfer Chronik, verfasst vom + Pfarrer
Heitemeyer, zugänglich, wurde es möglich !
wurde, die hiesige Chronik um viele Da-
ten zu bereichern und zu erweitern.
Die Geschichte von Aspe und Velsberg ist
derselben vollständig entnommen. -
In der Zeit seines Bestehens sah Westheim
mancherlei Ungemach: Krankheiten, Hun-
gersnot und Krieg suchten es heim.
Am schwersten litt es wohl in der Beng-
1384-1384 ler oder Stiftsfehde 1384-1394 und im Soester
1444-1449 Krieg 14344-1449, der alles niederriß, was
man nach dem vorhergegangenen Krieg

49

gewagt hatte, wieder aufzubauen; 38 Ort-
schaften gingen auf dem Sintfelde zu
Grunde, dazu gehören auch Aspe und Velsberg,
die damals nach Oesdorf eingepfarrt waren.
Noch waren die Wunden dieses Krieges
nicht vernarrbt, als von neuem der Kampf
losbrach. Bischof Simon III. von Paderborn zog
1464 1464 gegen den Landgrafen Ludwig v. Hes-
sen um die Verwüstungen, welcher jener
im Soester Krieg angerichtet hatte, zu ahnden
(Schaten annal. II ad . a. 1464)
1539 wütete eine furchtbare Hungernot im Pader-
borner Land, sodaß selbst vornehme Leute bet-
teln gingen.
1540 trat die Pest hinzu und raffte eine große
Menge Volkes hinweg, ebenso im folgenden
1541 Jahre 1541 (cf. Henricus Abbas Marienmünster in
suo diario)
1625 Um 1625-26 und 1636-38 trat abermals die
1626 Pest auf verbunden mit Ruhr
1641 grassierten die Blattern, gleichzeitig suchte
Teuerung die Bewohner heim und Erdbeben
vermehrte die Not.
Im 30.jährigen Krieg litt das Paderborner
1622 Land 1622 durch den Herzog Christian v. Braun-
schweig (der tolle Christian); 1631 zumal durch
1631 die Schweden und Hessen, durch die Kaiser-
lichen und Franzosen.

50

Beim, Abbruch des alten gräfl. Oekono-
miegebäudes 1892 kamen überraschende
Dinge zum Vorschein. Während ein Teil
der Mauern, wohl von späteren Um-
bauten herrührend, von selbst fast um-
fielen, erwiesen sich andere als un-
zerstörbar, so zwar, daß sie zerschossen
werden mussten. Im Fundament fand
sich auch eine Münze, - wohl die des Grund-
steines, - aus Silber, deren Gepräge,
soweit es ersichtlich hier wiederge-
ben wurde (etwas vergrößert).
Zweifelhaft ist
Münzseiten nach Ferdinand
die römische IV,
da unzweifelhaft
von 1637 – 1654 Ferdinand III. regierte. Im-
merhin ist hier die Prägung deutlich.
Undeutlich ist die vorletzte Linie, die aber
das Datum 18. Juni –XVIII. IVNY – als Krö-
nungstag Ferdinand III.ens angeben würde.
Die Jahreszahl sieht auf den ersten Blick
aus wie 1633; dürfte es 1637 sein – (1633-7?)
Die Münze lässt darauf schließen, daß
in den Wirren des 30. jährigen Krieges
das Unterhaus zu Westheim in Feuer
aufgegangen war, vielleicht in den
Pappenheim-Hessischen Kriegszügen 1631-32?

51

und 1637 / 1633?) wieder aufgebaut wurde, nach-
dem schon vorher andere Bauwerke entstan-
den und vergangen waren, wie die
Fundamente eines viel älteren Turmes,
an der Stelle des früheren Kuhstalles, be-
zeugen.
Auch der 7 jährige Krieg 1756-1763 wütete
in hiesiger Gegend. Am 1. Dezember 1758
überschwemmten Engländer, Hessen und Braun-
schweiger das ganze Paderborner Land, nicht
ein Dorf blieb verschont. Am Felsberge war
ein Lager errichtet; die Bauern von Oes-
dorf und Westheim brachten Wasser und er-
hielten von mitleidigen Soldaten Brod, wel-
ches sie selbst längst nicht mehr hatten
(Bessen, Geschichten Seite 223) nachdem ein Un-
wetter, zumal in Westheim, die ganze Ern-
IV. te vernichtet hatte (Geschichte und Alter-
tumskunde Westfalens 70 B.Abt.II.Seite 99.)
1760 Im November 1760 kostete ein Scheffel
Weizen 5 rhd.6 Mogr; der Roggen 3 rhd, 12
Mgr; eine Molle Salz 20 rhd.
1762 Im Juni 1762 kostete der Scheffel Roggen 9 rhd;
Große 7 rhd 18 Mgr; das Maaß Brandwein
1 ½ rhd. 1 Pfund Kaffee 30 Mgr. Die Bauern back-
ten sich Brot von Eicheln und starben viel-
fach an Verstopfung (Geschichte von Waldeck
cf. H.Huntze (entnommen der Oesdorfer Chron. f.29)

52

1807 Als 1807 Napoleon seinen Bruder Jérome
zum König von Westfalen machte, trat
auch für Westheim, das bis 1803 zum
Fürstentum Paderborn und dann nach
der Säkularisation als Erbfürstentum
des Königreiches Preußen Friedrich Wilhelm III.
gehört hatte, eine Veränderung ein.
Unterstanden die Dorfrichter bis dahin
der Kontrolle des landrätlichen Kreises
Beverungen unter Freiherr v. Metternich
als Landrat, so wurde die Comune
Westheim nun dem Departement der
Fulda, Unter-Präfektur Paderborn, mit
dem Unter-Präfekten Freiherrn v. Coesfelde
und dem Canton Winnenberg zugeteilt.
Nach der großen Schlacht bei Leipzig 16.
1813 17. 18. Oktober 1813 kamen am 3. November
1813 die ersten Kosaken auf der Ver-
folgung Jéromes durch Westheim. Das
Königreich Westfalen wurde für aufgelöst
erklärt und so kam Westheim wieder
in preußische Verwaltung.
Zu dem unter dem Namen „Landwehr“
in Paderborn errichteten Regiment stell-
te Westheim 31 Mann; viele folgten
zudem freiwillig als Jäger „dem All-
gemeinen Aufruf“.
Die sämtliche waffenfähige Mannschaft

53

übte als Landsturm jeden Sonn- u. Feiertag
mit Lanzen und Gewehren unter dem Frie-
densrichter Freyherrn v. Hartmann z. Fürstenberg
als Kommandant.


V.
Auch zu den Magazinen für Fourage, Mehl,
Kleidungsstücke etc. lieferte Westheim er-
hebliche Beiträge, z.B.
84 Scheffel Roggen 201 Scheffel Hafer
8 „ Weizen 10 „ Kartoffeln
20 Zentner Stroh 40 Zenter Heu
2 Gne Branntwein viele Schuhe und
über 100 Taler bares Geld.
1813 Von August bis September dieses Jahres
herrschte eine ansteckende Seuche, an der
300 Menschen krank lagen und 27 in 1
Monat starben.
1814 Als Napoleon nach den 100 Tagen Elba ver-
ließ und der Krieg von neuem entbrannte,
wurde auch unser Paderbörner Landwehr-
Regiment einberufen und in den Nie-
derlanden stationiert. Dort beteiligten sich
auch die braven Westfalen mit an der
Schlacht bei Waterloo; 2 Westheimer: Franz
Flechner und Christian Aschhauer starben den
Heldentot.
1815 Am 1. Januar 1815 war bereits der Code Na-
poleon wieder abgeschafft und preußisches
Recht eingeführt, Friedensgerichte wurden

54

aufgehoben und Land und Stadtgericht
eingerichtet. Westheim wurde, da die
v. Calenberg auf die Wiederherstellung des
Patrimonial-Gerichtes verzichteten,
dem Landgericht in Büren und für die
2.Instanz dem Oberlandgericht in Minden,
später in Paderborn einverleibt. Da-
mals ward Westheim auch dem Kreise
Büren eingegliedert.
1815 wurde die Erhebung des Schulgeldes durch
den Ortserheber eingeführt und dem Leh-
rer mancher Ärger genommen.
1816 entstand infolge des nassen Sommers
Hungersnot.
1817 waren die Wege im Dorfe so grundlos,
daß sie bei schlechtem Wetter sich bei-
nahe als unpassierbar erwiesen. Das
Ptd bgcolor= Spiritualitus deputationi.top style=br /farrhaus war in schlechtem Zustand,
die Schulklasse so klein, b/pquot; und 26).br / valign= xthumbnail-orig-image=daß kaum für 1/3
der Schulpflichtigen Raum war, daher der
Unterricht hö valign= size= height=#FFFF99 /fontchst unvollkommen gegeben
werden konnte.

VI.
Auf Veranlassung der Regierung zu
Minden wurde der alte Brauch, wonach
jedes Schulkind dem Lbr /images/stories/geschichte/chronik1/11.05.2004_08.18.06_P5110046.JPGtd align=br /br /br /br /ehrer täglich 1 Splitt-
holz mitbringen musste, aufgehoben.
Dafür dem Schulgeld 16 Silbergroschen zu-
gesetzt. (Alte Leute erzählen, daß dieser

55

Gebrauch trotzdem bis in die 40. Jahre fortbestan-
den habe. da es den Lehrpersonen bei der
geringen Besoldung kaum möglich war
aus derselben die Heizung des Schulofens zu
bestreiten.)
1817 Im September 1817 wurde das ganze preuß-
sche Reich mit einer duanen Linie umzogen
und hier in der Gemeinde gegen Waldeck
bei Allenrichters Hause ein Zollamt II. Klasse
errichtet.
1820 zählte das Dorf 707 Seelen, nachdem es 1800
nur 496 Einwohner hatte.
1821 bauten die Gemeindeglieder die erste Kunst-
straße, auch wurde im selben Jahre der
Grundstein zur neuen Schule gelegt.
1823 wurde nach den Sommerferien zum 1.
Mal in der neuen Schule Unterricht gehal-
ten und die Kinder feierlich eingeführt.
1826 wurde das Calenberger Gut an Meyer und
Albrecht aus dem Hannover’schen verpachtet
und die Gebäude repariert.
1828 In der Zeit von 1828 – 1830 wurde die Pro-
vinzialstraße gebaut, die mitten durchs Dorf
nach Bredelar, resp. Scherfede führt. Bis zur Anla-
ge der Chaussee war die Gegend sozusagen
wegelos. Zum Belege hierfür soll nur er-
wähnt werden, was der verstorbene Jubilar
Pfarrer Heinrich Lohmann von Scherfede zu

56

erzählen pflegte: wenn man früher
von Scherfede nach Marsberg zu Wagen
sich habe begeben wollen, so hätte
man ungefähr 10 Mal! durch die Die-
mel fahren müssen!
Es ist für unsere Begriffe eine unbe-
greifliche Unterlassung der früheren
Regierung, das Verkehrswesen so völlig
vernachlässigt zu haben. Freilich verfüg-
te sie nicht über eine straffe Polizei
VI.
und die Einwohner wehrten sich gegen
Hand und Spanndienste und „Wege-
bollwerkerei“ auf das zäheste.
Immerhin hatte der Zustand zur Folge,
daß aus der hiesigen Gegend, soweit über-
haupt Getreide ausgeführt wurde, was
bei dem sehr elenden Zustand der Boden
Kultur nicht in hohem Maße erfolgte,
das Getreide auf Eselsrücken nach Gesche
oder …………. gebracht wurde! !
1830 wurde die neue Chaussee abgenommen
und in Gebrauch gegeben, auch gleich von
den zahlreichen Reisenden zu Wagen
und zu Pferd ein Chausseegeld erhoben.
(Die Nachkommen des Einnehmers (Gristel
heißen bis auf diesen Tag Pariers (Barière).
Auch nach Oesdorf wurde der Weg chaussee-
mäßig angelegt und Jeder musste 2 Tage

57

daran arbeiten.
1836 Am 22. und 23. November 1836 tobte ein heftiger
Sturm, der den Kirchturm beschädigte und den
Hahn herunter riß.
1837 kaufte der Gutsbesitzer Herr Hauptmann
Engelbrecht das Gut Westheim von den Calen-
berger Erben Graf Lippe Sternberg für 65000 Th.
Am Tage vor St. Vitus wurde die neuerrichte-
te Schützen-Gesellschaft vom hochw. Pfarrer
Evers eingeweiht, ein feierliches Hochamt
gehalten und vom selben eine feurige Re-
de gehalten. Kurz dieser hochw. Mann
bediente sich einer solch ausdrücklichen Be-
lehrung, wie sie seit undenklichen Zeiten
in hiesiger Kirche nicht gehalten wurde.
Sodann sollten am St. Vitusfeste die
Schützenkompagnie die Prozessionbr /2 Land bei Hasselborn an Bredelar und wi-2 2 in voller
Parade begleiten und nach Beendigung
derselben zum Tanze führen. Das 1. Schüt-
zenfest wurde am 3. August gefeiert.
1839 herrschte im Dorf die Friesel- oder Fleckkrank-
heit, woran ungefähr 46 Personen starben.
1840 der Rittergutsbesitzer Engelbrecht verkaufte
das Gut Westheim an Joseph Theodor Graf zu
Stolberg für 68000 Thaler. Der Kaufvertrag
wurde in der sogen. „Paulinenquelle“ zwi-
schen Westheim und Marsberg unterzeichnet.

58

Anmerkung: Vorstehende Daten sind
der Ortschronik entnommen, geführt
vom jeweilichen Orts-Vorsteher.
Daran mag sich am besten die Neuere
Geschichte Westheims bis etwa 1890 an-
schließen, um dann an der Hand der
Biographie des Pfarrers fortgeführt zu
werden.
1840 Für das Krankenhaus in Paderborn zahlte
die Gemeinde einen jährlichen Betrag von
2 Reichsthalern, der Direktor der Anstalt
Dr.Schu…. hebt das in seinem Jahres-
bericht lobend hervor und wünscht dem
Kreise Büren, daß ihre Wohltätigkeit der
Grund zu neuem Wohlstand werden
möge.
Bis 1832 wurden im Paderbörner Kranken-
haus aus den Ortschaften des Kreises 1204
und bis 1834, 120 Kranke unentgeltlich
verpflegt.
1843 war Hungernot infolge eines nassen
Jahres. Graf Stolberg ließ Brot backen –
6 Pfund Brot zu 5 Silbergroschen (501) auch Brot
in den Nachbardörfern unentgeltlich ver-
teilen.
Im November wurde der Landrat Herr
v. Hartmann wegen Altersschwäche seiner
Stelle enthoben und Gf. Stolberg eingesetzt.
 

59

1845 An den Kartd style= nord-östlich von Westheim, krönte width= Undeutlich ist die vorletzte Linie, die aber dem schon vorher andere Bauwerke entstan- toffeln zeigte sich zum ersten Male
die Fleckenkrankheit verbunden mit wider-
lichem Geruch. Man nannte das hier ron-
gisch, weil zu der Zeit der abgefallene
Priester Ronge die deutsch-katholische Kir-
che gründete.
1846 Infolge des zu heißen und trockenen Som-
mers war die Ernte wieder schlecht, die
Kartoffeln wieder krank und von neuem
trat Teuerung ein.
1847 durch die ausgewinterte Frucht und die
vorhergegangene schlechte Ernte trat eine
solche Hungersnot ein, wie sie im gan-
zen Jahrhundert noch nicht erlebt war.
Grf. Stolberg ließ für die Armen in seiner
Küche kochen und vom landwirtschaftli-
chen Verein wurden für dieselben Korn
VIII.
und Kartoffeln gekauft (Wie jetzt noch
alte Leute erzählen, besuchte Gf. Stolberg
mit seiner Frau, geb. Gfn. Spee viele Arme
und Kranke; die Gräfin verteilte persönlich
die Suppe, pflegte die Kranken, verband
Wunden und suchte die Not zu steuern,
wie immer sie nur konnte.)
1848 Der Durst nach Freiheit und Gleichheit ließ,
wie die Dorfchronik erzählt, auch die Westhei-
mer nicht ruhen. Durch unruhige und von
Branntwein benebelte Köpfe aufgestachelt

60

 rotteten sie sich zusammen und zogen
zuerst nach Billinghausen, um vom
Gutsbesitzer Schreiber alte Gerechtsame
wieder zu erlangen. Dann kamen
sie zum Grafen Stolberg und verlang-
ten mit Drohungen und Geschrei
Verkoppelung und Herstellung alter
Gerechtigkeiten. Durch seine Kaltblütig-
keit und das Dazwischentreten des
Pastors wurde das Schlimmste verhü-
tet. (Von Augenzeugen wird erzählt
daß der hochw. Herr Pastor dem auf-
geregten Volkshaufen entgegentrat
und ihn mit gütigen Worten zu
beruhigen suchte, jedoch bei dem all-
gemeinen Geschrei nicht zu Worte kam.
Ein Mann, Lucknir, den Pastor in-
mitten des drohenden Haufens sehend
und in Gefahr wähnend, warf sich
mit einer Wagenrunge bewaffnet
zwischen die Menge nach allen Seiten
hin derbe Schläge austeilend. Nur mit
Mühe vermochte ihm der Pfarrer Bach-
haus klar zu machen, „daß mine lei-
wen Westheimer nix danet“.)
Um den Leuten Arbeit und Verdienst
zu geben, wurde am Hoppenberg, vom
Eibendahl her br / style= br /br /br /span style=ein Weg, der sogen. „Romlutius“

61

Aspe muß in der Benglerfehde zu Grunde ge-51 gemeinen Aufruf“.br /br / valign= gemeinen Geschrei nicht zu Worte kam.

Weg angelegt. Zur Wiederherstellung der
Ruhe wurde ein Kommando von 80 Mann
in hiesige Gemeinde gelegt und 1 Nacht bei
den schlimmsten Anstiftern einquartiert.
Der Andreas Rosenkranz, vulgo Höpper, wur-
de mitgenommen, bald aber wieder frei-
gelassen.“
In anderen Orten verlief die Gährung nicht
so harmlos, so wurde z.B. in Fürstenberg
das Schloß gestürmt und das wertvolle
Archiv mit vielen alten Dalheimer Urkun-
den und Handschriften ein Raub der Flam-
men, Graf Westphalen musste flüchten.
1849 wurde ein Verein errichtet, und es ver-
sammelten sich die Einwohner in bedeuten-
der Zahl fast jeden Sonntag in der Schule,
wo über politische und kirchliche Fragen
Vorträge gehalten wurden, wobei jeder
frei seine Meinung äußern durfte, die
Religiosität war der Hauptgegenstand.
1850 Im Nachbarland Kurfürstentum Hessen
ist Dienstverweigerung und Empörung ge-
gen ihren Fürsten aufgewacht; der König
hat deshalb ein Beobachtungskorps an die
Grenze in die Warburger Gegend gelegt. Im
November traf auch Westheim 11 Tage Ein-
quartierung, ist aber in Güte abgegangen
und zu gar keinen Blutvergießen gekommen.

62

1853 Die im vorhergehenden Jahre begonnene
Separation der Diemelgrundstücke wurde
vollzogen, so daß im Herbst 1853 jeder
von dem ihm angewiesenen Grund-
stücke zum ersten Mal erntete. Die
Gemeinde hatte in einer Abfindung der
Hude Gerechtsame übernommen, die
Lehrerstelle nach § 101 des Verkoppelungs-
Gesetzes abzufinden, da dieses bei der er-
sten Verkoppelung nicht stattgefunden,
so wurde von der Gemeinde 1 Morgen
94 Ruthen Wiese vom Bauernplatz an die
Schule abgetreten.




II.
1854 Am 10. Januar wurde Pastor Bachhaus von
Hörbeke bei Soest versetzt. Er wurde durch
den Kaplan Pollmeyer von Istrip ersetzt.
Die hochw. P. Riswich und Hergarten S.J. hiel-
ten die Hl. Mission, der Mässigkeitsbund
wurde eingeführt, „dem“, wie die Chronik
sagt, „nur wenige Mannspersonen bei-
traten.“
1855 Am 8 Dezember begann Pastor Pollmeyer
für den Neubau der Kirche zu sammeln,
da die Begeisterung groß war, brachte
er recht viel zusammen.
1857 richtete Graf Stolberg eine Wohnung her
für eine Niederlassung „armer Dienst-
mägde Christi“ von Dernbach. Schwester

63

Justina, Innocentia, Coleta waren die An-
fängerinnen.
1857 waren die Kartoffeln zum 1ten Mal seit 12
Jahren wieder gut geraten.
1863 Am 28. August 1863 firmte der hochw. Herr
Bischof Konrad Martin in unserer Gemeinde.
Als er am Vorabend feierlich empfangen
wurde, hatte man die Böller unter der
Brücke angebracht auf der der Wagen
mit dem Bischof während der Begrüßung
hielt. Im Augenblick da der hochwst. Herr
aus dem Wagen steigen wollte, scho-
ßen die Westheimer, die Pferde scheuten
und konnten mit Mühe nur so weit
beruhigt werden, daß das Aussteigen
möglich war.
In der Nacht wurde der Bischof um 4
Uhr geweckt von einer Deputation
Briloner Bürger die ihn zum Ehrenbürger
ihrer Stadt ernannt hatten. Die Sitzung
hatte am Abend stattgefunden und einige
brave Briloner waren die Nacht ge-
wandert, um das Diplom am Morgen
zu überreichen.
1858 wütete Nervenfieber das 18 Opfer for-
derte.
1866 lieferte Westheim zum Kriege an Lein-
wand 50 Pfund und an Geld 11 Rth. 28 Silber-

64

groschen. Von den 50 Mann. die ein-
berufen wurden, kamen alle gesund
wieder.
Im Frühling wurden um das heilige
Häuschen am „Steinbrink“ (2. resp. 3. Sta-
tion bei den Prozessionen) 3 Linden ge-
pflanzt, die zu schönen Bäumen gewor-
den sind.
1867 Am 18. September 1867 wurde an der
Chaussee unter dem Dorfe ein Kreuz
errichtet und feierlich benediziert; das
selbe musste 1912 erneuert werden.
Dorthin geht die 2. Bittprozession. Im
selben Jahre wurde das Christusbild an-
geschafft, verfertigt vom Bildhauer
Karl Blum in Jachen. Es kostete 38 Rth.
1867 wurde die Chaussee Westheim – Dalheim
gebaut, im sogen. Dahlgrunde, unter
dem Treppenberg und am Affensteinbruch
her.
1867 Am 14. Februar 1867 wurde in Billing-
hausen das 1866 durch Kauf in den Be-
sitz der Freiherrn v. Lugd….. gekommen
war, die Einweihung des Oratoriums
durch den hochw. Herrn Dechanten Caspari
in Nieder-Marsberg vorgenommen.
Billinghausen war früher katholische Pfar-
re und wie die Tradition sagt, Nonnen-

65

kloster; daß eine Kirche daselbst gestanden
zeigt zu deutlich das Wohnhaus mit Turm,
das jetzt noch besteht .In der Reforma-
tion war Billinghausen abgefallen und
Waldecker Tafelgut geworden; seit mehr
als 300 Jahren wurde nun der erste ka-
tholische Gottesdienst wieder gehalten in
Gegenwart des Herrn Paters Johannes de
Matha Potomski O.T.M. P. Francicus Schmel-
zer Kaplan in der Marsberger Irrenanstalt,
und des Pfarrers Pollmeyer aus Vestheim.
Inzwischen ist Billinghausen durch
Kauf Eigentum des Grafen Westphalen
geworden, der dort einen Administrator
hat; Gottesdienst ist nicht mehr. Die Ka-
tholiken gehören zu Westheim.

IV.
1869 am 11. April wurde das 30jährige Priester-
jubiläums Pius IX. von der Pfarre feier-
lich begangen. Am Vorabend mit feier-
lichem Geläute und Böllerschüssen am
Festtag mit einem Lewitenhochamt
Pater Johannes de Matha Potomski O.T.M.
fungierte als Diacon ; P. Wochner S.J. als
subdiacon; auch hielt er die Festpredigt
über die Worte „Ehre deinen Vater
und deine Mutter“. Am Tage wurden
öfter Böllerschüsse abgefeuert, abends
wurden mehrere Häuser illuminiert, es

66

zeichneten sich aus die Wohnung des Leh-
rers, Stendike (jetzt Pastorat, Gastwirt
Siebert, Pastorat, Oekonomie, der Hof. !
Die Gemeinde hat sich dadurch an der
Festlichkeit beteiligt, daß sie bereitwil-
ligst das Pulver zum Schießen bewillig-
te, und dem Gottesdienst mit der
größten Teilnahme und Andacht bei-
wohnten. Die Witterung war außer-
ordentlich günstig.
1870/71 zum Kriege stellte Westheim 24 Re-
servisten, davon fiel einer; dagegen
starben aus den Linientruppen 4 den
Heldentod.
1871 wurden für die Kirche ein Baldachin und
4 Fahnen angeschafft, zwei rote (die nicht
mehr existieren) und zwei weiße. Von
den 220 Rthl. betragenden Kosten, zahlte die
Kirche 6 Thaler, das Übrige wurde geschenkt.
1872 wurde die 1871 begonnene Ruhrtalbahn vol-
lendet, Westheim bekam von Anfang an
Bahnhof, dadurch nahm Handel und Verkehr
sowie das Verdienst zu.
Am 7. Juni 1872 fuhr die erste Lokomotive
von Warburg her durch Westheim nach Bre-
delar, ein großes Ereignis! Bisheran war
Bonenburg Station gewesen.
11 Häuser mussten für die Bahnstrecke

67

niedergerissen werden. Die Leute bauten
neu unten im Dorf und am Hoppenberg.
Da Ruhr und Scharlach wüteten starben
54 Menschen.

V.
1875 Die Niederlassung der Schwestern aus Dern-
bach wurde wieder aufgehoben. Sie hatten
leider ihre Stellung nicht richtig erfasst, setz-
ten sich teils dem Dorfklatsch aus teils un-
terstützten sie denselben und meinten
ihres Lebens nicht mehr sicher zu sein.
1878 wurde eine 3 klassige, dem Alter ent-
sprechende Schule eingerichtet mit 3 Lehr-
kräften.
1883 der Glockengießer Humbert aus Brilon
lieferte zu einer schon vorhandenen
Glocke im Ton B circa 600 Pfund schwer eine
passende Glocke im Ton G 1072 Pfund, und eine klei-
ne im Ton D 350 Pfund. Für die Gemein-
de betrugen die Gesamtkoisten 1500 M..
1886 Zur Feier des silbernen Priesterjubi-
läums des Pfarrers Köhler wurden dem
Jubilar 500 Mk. zur Errichtung eines Kreuz-
weges zur Verfügung übergeben; da-
für erbot er sich, die Frühmesse unent-
geltlich zu lesen. Seine Nachfolger be-
hielten dies bei, was Gott ihnen ver-
gelten möge.
1890 trat die Diemel über und richtete

68

erheblichen Schaden an. Seitdem war
Gott dank keine so große Überschwem-
mung mehr.

69

Über die Kirche und Pfarre von Westheim
lässt sich folgendes feststellen:
785 Im nahen Obermarsberg (Mons Martis, Eresberg)
ließ Karl der Große 785 eine christliche Kir-
che erbauen. Mit derselben war gleich
anfangs ein Konvent von Benediktinern,
unter einem Propste, verbunden.
Diese Mönche arbeiteten fleißig an der
Bekehrung der umwohnenden heidnischen
Sachsen. Außerdem steht geschichtlich fest,
daß der hl. Sturmius, Abt von Fulda, Karl
d.Gr. auf seinen Feldzügen begleitete, um
die Sachsen zum Christentum zu bringen.




VI. Zu diesem Zwecke weilte er zu wie-
derholten Malen auf mehrere Jahre in
Obermarsberg. Durch den hl. Sturmius und
die Benediktiner ist wohl ohne allen
Zweifel die hiesige Gegend christianisiert
worden.
Zu welcher Zeit aber im besonderen Vest-
heim Pfarre geworden und eine Kirche
erhalten hat, lässt sich mit Bestimmt-
heit nicht angeben. Der Umstand, daß
der hl. Vitus Schutzpatron ist, deutet darauf
allein schon auf eine Gründung durch die
Abtei Corvey, welche die Reliquien des hl. Vitus

70

besaß und gewiß bestrebt war, dessen
Verehrung zu verbreiten und ihm ge-
…….. zu Ehren Kirchen zu erbauen.
Die Gründung durch Corvey wird in hohem
Grade wahrscheinlich, durch das schon bei
der Ortsgeschichte genannte Fragment
des Corvey’er Codex, in welchem Westheim
1150 bereits 1150 unter jenen Paderborner Kir-
chen genannt wird, über welche Corvey
das Patronatsrecht zustand.
1223 In der Zeit von 1223 – 1254 war ein
Streit zwischen der Kirche zu Westheim
und dem Kloster Bredelar über Prästatio-
nen des letzterem von seiner Besitzung
in Ostinetorpe = Oesdorf. Abt Hermann von
Corvey schlichtet ihn dahin, daß das Kloster
dem Pfarrer zu Westheim von der Ku-
rie zu Ostinetorpe jährlich 12 Maaß Ge-
treide geben solle. (Wilmanns, Westfälische
Urkunden, Bd. IV. Seite 82.)
1231 Im Jahre 1231 am 31. Januar setzten 2
päpstliche Visitatoren unter dem Fürstbischof
Bernard IV. edler Herr zu Lippe, 1228 – 1247
die Archidiakonate des Bistums Paderborn
fest. Zur sedes eines Archidiakonates wur-
de auch die jetzt nicht mehr vorhandene
Eclesia Ste. Dyonisie in Horhusen = N. Mars-
berg bestimmt. Unter den aufgeführten

71

37 Kirchen dieses Archidiakonates wird u.a.
genannt: Heperinghausen und Westen. (Beßer
Geschichte des Bistums Paderborn Bd.I. Seite 96) 1250 Der Ritter Adam v. Aspe vermacht meh-
reren Kirchen darunter Westheim, Oesdorf, Hor-
husen, eine Rente um dafür auf den
4 hohen Feiertagen den Messwein anzu-
schaffen. Bisher war er durch Almosen auf-
gebracht. Spanken, auch Seibertz, Urkunden
Bd.1 Seite 329.
Diese Urkunde unterzeichnet Johannes sacer-
des de Westheim (Spilker, Urkunden S.94.)
1252 wird im Dalheimer Copiar ein „rector eclesiae
in Westheim“ erwähnt.

Aus dem Pfarrarchiv, das leider für die
ältere Zeit nur aus nachgetragenen Auf-
zeichnungen späterer Pfarrer besteht, da das
alte Original Archiv 1724 auf Mariä Opfe-
rung nebst den wertvollen Paramenten u.
Fundationsurkunden etc. verbrannte, stellnbsp; mitten des drohenden Haufens sehend mit dem Bischof während der Begrüßungimages/stories/geschichte/chronik1/11.05.2004_08.20.52_P5110064.JPG dem Treppenberg und am Affensteinbruchbr / und deine Mutter“. Am Tage wurden/fontbr / Abtei Corvey, welche die Reliquien des hl. Vitus-
vinzialstraße gebaut, die mitten durchs Dorf style= height= Gerechtigkeiten. Durch seine Kaltblütig- br /td align= te der Pfarrer Köhler noch folgende
Notizen zusammen:
Im 16. Jahrhundert drang der Protestan-
tismus in hiesiger Gegend ein. In der be-
nachbarten Grafschaft Waldeck war er (nach
den Angaben Varnhagen, Waldeker Geschichte
Seite 76) bereits 1529 allgemein eingeführt.

72

Hesperinghausen, als Pfarrort über das
1536 Amt Eilhausen, erhielt 1536 in Hermann Hollenstein den ersten lutherischen Pfar-
rer. Hermann Contze wohnte bereits in
Hehringhausen (Curtze, Waldecker Urkun-
den 15.16.)
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Pfar-
rei nebst Kirche in Westheim untergegan-
gen, wie es von Billinghausen mit
Bestimmtheit feststeht. Indessen blieb
(wie Pfarrer Köhler vermutete) die
Familie der Freiherrn v. Calenberg dem
alten Glauben treu. Sicher ist, daß die
Witwe des Rembert v. Calenberg, eine geb.





VIII.
1573 v. Laer 1573 eine Kapelle auf dem
sogen. Unterhause erbaute, wie es in
der alten Chronik heißt: „wozu eine
kleine Kapelle, die 1573 von der Hochwohlgeb.
Margaretha de Laer hinterlassene Wittwe
des Rembert Calenberg, dessen Bruder Jobst
Calenberg im Sächsischen wohnte, erbaut
wurde, und aus welcher Kapelle
ein verdeckter Gang in das damalige
adliche Wohnhaus jetzige Brennerey ging.
Die Katholiken des Ortes haben dann wohl
in dieser Kapelle dem kath. Gottesdienst
beigewohnt.
Anmerkung: In der alten Pfarrchronik

73

schreibt Pfarrer Siebers noch folgende Notizen
„Die 4 sogenannten Meyer oder Wollspänner
(Genstenmachers Tysler, Sieren, Peiters) wohn-
ten unter dem jetzigen Dorfe im „Bruche“,
wo diese auch eine Kapelle auf dem jetzi-
gen Grundstücke des H. Kleine hatten, deren
rudera 46 Fuß lang und 30 Fuß breit noch
zu sehen sind. Die übrigen Menschen
wohnten aber auf der Dörfermark, wovon
diese den Namen, nahe beim Gute Billing-
hausen, welches ein Nonnenkloster ordinis
S. Bernard und zugleich Pfarre für diese
war, was aus der unter dem Fürstbi-
schof Bernard IV. von Lippe vorgenommenen
Theilung des Hochstiftes in Archidiakonaldistrikte
zu ersehen ist, nach welcher das der Dan-
kantorei zugefallene Archidiakonat Warburg
folgende Ortschaften in sich begreift:
Wartberg Warburg Rulete Rühlen
Dasburg Daseburg Boten Blodken
Löwene Löwen Bylinchusen = Billinghausen
Wellethe Welda Schewe = Scherfede
Ossendorps - Oßendorf mit den Filialen.
Obengenannte Meyer wohnten sich zuerst !
den Herren v. Weßten (Anmerkung gemeint
sind wohl die Herren v. Calenberg, da die Herren
v. Westheim schon ausgestorben waren) wahr-
scheinlich um vor der Bande des Bernard v.

74

1579 Harren , vulgo Schribonius, die 1579 alle
möglichen Greueltaten in hiesiger Gegend
ausübten, sicher zu seyn, bis die reforma-
tion des Luther allgemein wurde, das
gräfliche Haus Waldeck mit den Ortschaf-
ten Kühlten und Rhoden nebst der Abtissin
des Klosters Billinghausen von der römisch
katholischen Religion abfielen, somit das
Kloster Billinghausen der jurisdiction des
Bischofes von Paderborn entrissen saecula-
risiert, und aus einem Kloster ein Tafelgut
für Waldeck wurde, die Gemeinde auf der
„Dörfermark“,- durch welche Veranlassung
ist ungewiß, - in Brand geriet und die
Barone v. Weßten (Calenberg) diese Unglück-
lichen gnädig aufnahmen. Doch finde ich
hiervon weder Jahreszahl noch Datum, nur
II.
soviel ist gewiß: das Fürstbischof Theodor
v. Fürstenberg hiesiger Kapelle das jus
parochiali verliehen, und selbe in Festo
St. Dionysii 4 durch den Hw. Generalvicar
Bernard Brüll hat einweihen lassen.“
Fürstbischof Theodor v. Fürstenberg, 1586-1618,
ein wahrer reformator religiosus, erhob dann
später (das Jahr ist nicht angegeben) West-
heim wieder zur Pfarrei und verlieh dem
Calenberg’schen „sacellum“ das jus parochiali.
Der damalige Generalvikar Bernardus Brüll

75

weihte am Dionysiustage (Jahr ist nicht be-
kannt) die Kapelle im Calenberger Wohnhaus
ein.
Das Patronat über die Kirche stand den
Herren v. Calenberg zu – ein Recht, das aus
der Fundation und Dodation von Kirche und
Pfarrstelle herrührt und auf die Rechtsnach-
fbr /font-size:12px; valign=b#FFFF99olger übergegangen ist: Patroni et benefac-
tores ecclesial suut Domini de Calenberg, quo-
rum beneficio tam ecclesia surrexit, quam
pastoratus ubsistit.
Jus praesentationis competit Dominis de Calen-
berg aequaliter domus superioris et inferioris
jus vero collationis soli episcopo Paderborn
cujus vicarius generalis exercet iti visitatio-
nem synodalem..
Eine Pfarrvisitation von Seite des Fürstbischofs
selbst wurde 1636 durch Theodor Adolf v. der
Beck, Bischof von Pacenterimages/stories/geschichte/chronik1/11.05.2004_08.20.04_P5110059.JPG/fontderborn vorgenommen.
Sonst sollen diese Visitationen alljährlich durch
einen Vertreter des Bischofs erfolgt sein
und dürften zur Hebung des kirchlichen
Lebens und der Disciplin sehr viel beigetra-
gen haben.

Zieht man die vom Pfarrarchiv gebotenen
Daten zu Rat, sowie auch das anderweit
bekannte, so ergibt sich wohl daraus folgen-

76

des Entwicklungsbild:
1150 war Westheim bereits Pfarre, hat also
unzweifelhaft auch eine Kirche besessen. Wo
lag sie? Wie lange hat sie bestanden?
Hat die Pfarrei Westheim wirklich erst in
III.
der Reformation ihren Untergang gefun-
den? Oder sollte sie in den Wirren
des 15. Jahrhunderts, oder in Folge des „schwar-
zen Todes“ vernichtet worden sein??
Wäre die alte Westheimer Pfarre erst
in der Reformation, also etwa 1525-1530
untergegangen, so müsste die Erinnerung
an die früher bestehende Pfarre bei der
Pfarrrestauration durch Margarethe v. Calen-
berg im Jahre 1573 noch bekannt gewesen
sein und auch die Behauptung des nach
der Reformation angestellten ersten Pfar-
rers Gegorius Sallerus um 1650 „die Kirche sei
früher – pure domesticum sacellum mobi-
lium – gewesen“, erscheint dann befremdlich.
Wann aber immer die alte Kirche be-
standen hat und untergegangen ist, so
dürften er u. sie auf jenem Platze gestan-
den haben wo sie bis zum Abbruch 1895 stand
und zwar in Verbindung mit jenem dicken
alten Turm, dessen Dauer wohl tief in das
Mittelalter hineinreicht, mag er nun als
Kirchturm bestanden oder nebenher auch als

77

Befestigungs- und Zufluchtsturm gedient ha-
ben.
Welches ist sodann jener von Pfarrer Gregor
Sallerus gegen 1650 erwähnte Neubau der Mar-
garete v. Calenberg, geb. de Lair. Welche ist die
Kirche die“ en inscriptione januce fra fixa
extructa videtur anno 1575! Offenbar kann
bei der von Margarethe v. Calenberg erbauten
Kirche nur von einem Teile der alten Kir-
che die Rede sein, denn diese bestand aus
3 deutlich zu unterscheidenden Teilen ver-
schiedenen Alters und zwar:
1. Aus dem alten Turm,
2. aus einem östlich verlaufenden Anbau,
3. aus einer Erhöhung dieses Anbaues
und aus einem nachträglich zugefüg-
ten Chor.
1. Der alte Turm wurde in seinem steiner-
nen Unte br /trbr /td align=a href=133 height=rbau von Kunstkennern als
sehr alt bezeichnet, der Stil sollte auf
das 12. oder 13. Jahrhundert hinweisen. Er
war in Absätzen sich verjüngend, im
unteren Mauerwerk stärker, als im
oberen. Ob einer dieses Absätze als Wider-
IV.
lage eines Gewölbes diente, war nicht
mehr nachweisbar. Große Balkenlöcher bewie-
sen, daß bereits früher andere Decken, als
die noch bestehenden der Orgelbühne und

78

des Turmabschlusses bestanden haben
2. Der östlich vom Turm verlaufende Kirchen-
teil




Zeichnungen


älterer Bauart reichte bis zum Chor. Das
starke und solid gemauerte Mauerwerk
war etwa 4 ½ m aus dem Boden (darüber
stand dann ein schwächeres jüngerer Kon-
struktion). Die Verbindung mit dem Turm
war, wie das sorgfältig bearbeitete
Steingesims des dicken Turmpfeilers und
die alten über den 2 Öffnungen rechts
und links des Pfeilers befindlichen To-
nengewölbe auswiesen, unterhalb des
ersten Turmabsatzes hergestellt gewesen.

79

Eine nach Süden gehende Türöffnung war
später zugemauert, darin stand der Tauf-
stein.
Ob dieser Kirchenteil nach Osten hin einen
geraden Abschluß oder eine Absis hatte,
war nicht festzustellen. Es bleibt ferner
fraglich, ob er den Bau von …. darstellt,
d.h. ob damals Margarethe v. Calenberg die-
sen Bau aufführte, oder einen vorhan-
denen älteren wieder herstellte. Ein in
der nördlichen Mauer eingelassener alter
Steinfries sowie die dort eingemauerten
alten gotischen steinernen Engelsfiguren
lassen auf ein hohes Alter bezw. auf
die Benutzung älterer Reste schließen..
3. Die späteren Zubauten, die auf die Zeit
von 1690 – 1700 zu verlegen sind, bestan-
den im Anbau eines ……., in der Erhö-
hung des ganzen Kirchenschiffes um etwa
V.
2 ½ m im Mauerwerk, und in einer
großen Bogenöffnung über den zwei
vorhandenen zum Turm hin. Hinter dieser
Öffnung , im Turm, stand dann die Orgelbühne.
Der das Chor, nach Westen hin abschließen-
de große Triumpfbogen, wie auch der Bogen im
Turme machten eine Verstärkung, bezw. Ab-
strebung des Mauerwerkes durch starke Streck-
pfeiler notwendig.

80

Der große Holzaltar, der nicht vor dem
Chor fertig aufgestellt sein konnte, und
der seinen Platz sicher nicht gewechselt
hat, trägt unter dem Calenberger Wappen
die Inschrift: „Anna Elisabeth Wittwe,
geborene v. Calenberg 1695.“ Wogegen
über dem südlichen Fenster stand:
ANO 1700 ADSTRUEBATUR. Die Inschrift über
dem nördlichen Fenster war ein Chrono-
gramm in hiesige Gemeinde gelegt und 1 Nacht bei/font derte. selbe musste 1912 erneuert werden. height= br /1 valign=br / war, wie das sorgfältig bearbeitete und hieß ORA PSALLE CORDE MENTE
MDCLL = 1700.
Der Altar war konsekriert vom Fürst-
bischof Hermann Werner v. Metternich (1683-1700).
Leider war das Sepulcrum zerstört und
nur durch einzelne Buchstaben der Ur-
kunde (welche zerfiel, da sie auf ge-
wöhnliches Papier geschrieben war) ließ
sich die Person des Konsekrators feststellen.
Im Mauerwerk des Chores, im Pflaster
und Fundament des Altars fanden sich
zahlreiche Reste alter Grabmonumente,
Steingesimse etc. eingemauert und ver-
wendet.
Die alte Kirche wurde 19. November 1895 feier-
lich verlassen und exsektoriert. Sie stand
dann noch einige Jahre und dem schnellen
Verfall entgegen gehend. Der Wunsch des
Grafen H. Stolberg , den alten Turm zu er-

81

halten fand in der Gemeinde keinen An-
klang, man wollte die Unterhaltung nicht
tragen, auch den Platz auf dem Friedhof
nicht missen. Gf. Stolberg erwarb sie zum
Abbruch, der in den Jahren 1898-99 erfolgte und
folgende Reste aus früherer Zeit ergab:
der Turm. Er war besonders in seinem
VI. unteren Teil überaus solide gebaut. Der
Mörtelgips war derart fest, daß der Abbruch
große Schwierigkeiten machte. Der Holz-
aufbau des Daches war aus schwerem Eichen-
holz, klobig, aber sorgsam gezimmert.
Die westliche, sogen. Mauerlatte des
Turmgeschosses, ein eichener Balke von
ca. 6 ½ m Länge und 25 cm Stärke trug
in kunstlosen, etwas 12 cm hohen Buchsta-
ben folgende Inschrift: HONOREM SANGTAE
TRINITATIS REDEFIGATA EST LIGNEA PARS
HAEG SUPERIORIS TURRIS HUIUS ANNO
CHRISTI SALVATORIS 1601.
(Balken, zu seiner Erhaltung im gräflichen
Holzschuppen angebracht.
Im Inneren des Turmgebälkes stand:
DER HERR PASTOR HESSE HAT DISEN
THURM AUFREPARIERET. 1778
Auf dem Fußboden des Turmes und
der Kirche fanden sich Gräber, teils kunst-
los mit Steinen gedeckt, Anhaltspunkte über

82

die Identität der dort Beerdigten ergaben
sich nicht.
2. Die Kirche. Sie war in ihren Fundamen-
ten und älteren Teilen solide gebaut,
in neueren Teilen sorglos aufgeführt.
In der Nordmauer war ein offenbar
alter Steinfries von etwa 1 m Länge
eingemauert; außerdem befanden sich
dort die zwei gotischen Engelfiguren,
die auf einem Stück, auf schweren
eingemauerten Steinklötzen aufge-
meißelt waren.

Bilder: 2 Engel

Die ganze Arbeit dieser Engelsfiguren, der
aufrechte Flügelaufbau, die Haare, der

83

Faltenwurf der Kleider, die Form der In-
strumente und die Farben der Malerei las-
sen auf ein hohes Alter schließen, das bis
1400 reichen möchte, jedenfalls älter sein
dürfte, als der Bau der Margarethe v. Calen-
berg vom Jahre 1573. Die Figuren waren
von zahlreichen Kalkanstrichen überkleckst !

VII. (was zu entfernen recht mühsam war)
leider durch Stoß oder Bruch früher beschädigt
Zwischen diesen 2 Engeln war offenbar
später eine Statue der hl. Anna (auf einem
Postament stehend) angebracht. Sie befin-
det sich jetzt in der Sakristei (auf dem ….
mentenschrank) und ist bedeutend jüngeren
Datums.
Als Untersatz, des völlig kunstlosen Tauf-
steines befand sich, umgestülpt aufgestellt,
der alte, sehr schön bearbeitete Taufstein,
der in seinem ornamentischen Formen
auf eine sehr alte Zeit hinweist. Leider
ist er zerstört, d.h. es fehlt darin ein
Stück. Er wurde auf dem Friedhof an
der Stelle wieder aufgestellt, wo früher
in der alten Kirche der Altar stand; die
Fehlstelle wurde in Zement ersetzt.

Zeichnung
 

84

 Zeichnung: Taufstein


Außer diesem, das hohe Alter der Kirche
bezeugendem Taufstein fand sich noch ein
anderes, seiner Form und seinem Um-
fang nach ein hohes Alter andeutendes
Stück, nämlich der als Fundament „des
Altares, vom Jahre 1700 benutzte ältere
Taufstein. Er liegt jetzt auf dem Fried-
hof unter dem neueren Altarstein und
unter dem oben beschriebenen Taufstein.

Zeichnung
 

85

Die Stärke des Steines beträgt 23 cm; er ist
sehr sorgfältig gearbeitet; auch die ein-
gemeißelten 5 Kreuze haben eine schöne
Form und korrekte Ausführung. Mit
dem alten Taufstein, dürfte dieser alte
Altarstein auf die ersten Zeiten der
hiesigen Kirche zurückreichen und Beide
daher sehr ehrwürdige Stücke sein. Der

VIII. Altarstein, der auf dem Altar von 1695
lag und wohl nicht älter ist, als dieser
Altar ist (er enthielt im sepulcrum je-
ne erwähnte Urkunde des Fürstbischofs
Hermann v. Metternich), ist 2,25 m lang
1 m breit und 0,25 m stark.
In welchem Zusammenhange mit
der Kirche ein beim Abbruch gefundener
Mariengroschen mit der Jahreszahl 1644
steht, ist nicht ersichtlich.
Von aufgefundenen Grabsteinresten
war eben schon Erwähnung geschehen;
außer dem Stein mit dem Calenberger
Wappen (siehe Seite 22) und mit jenen
unbekannten 3 Pfeilen wurden noch
verschiedene Inschriften auf zerschlagen
und dann zum Bau verwendeten
Steinen gefunden, die an sich allein kei-
nen bestimmten Anhalt für die Westheim
Chronik geben, sie seien aber demnach hin
 

86

verzeichnet: Diese 2 Bruchstücke ge-



( 2 Zeichnungen)








hören zu verschiedenen Steinen, die
folgenden 2 Stücke sind Teile eines Frieses





(Zeichnung)
 

87

(Zeichnung) von einigem Kunst-
wert und hübscher Aus-
führung ist ein stei-
nenes Bild ((Hochrelief) des
auferstandenen Heilandes
aus rotem Sandstein,
von dem 2 zusammenhängende, doch
stark beschädigte Stücke aufgefunden wur-
den. Die Zerstörer dieses Steines sind
von Wandalismus nicht frei zu sprechen.



(Zeichnung)


Es fanden sich außerdem noch mehrere
Bruchstücke von Grabsteinen in Renaissan-
 

88

cearbeit, die Steinverzierungen waren
bemalt, die Inschriften in ebenfalls
schnell verbleichender Farbe aufgetragen.
Unter dem Fußboden der Kirche
fanden sich Gräber, teilweise in ge-
ringerer Tiefe, meist nur in die Erde,
ohne Vermauerung eingesenkt; ande-
re waren mit schlichten Steinplatten
gedeckt.

_____________________

Als einzelne Notizen mögen hier noch
folgende Platz finden:
1.) Das Pfarrarchiv erwähnt: „Notandum etiam,
daß die in dem Muddenschloppe liegende
Stadt Marburg’sche W…. und das im
Gehölz liegende Haus in Krögers Grund“
mit den anderen ……………Westheimer-
sem gehöre, welche vor Zeiten als noch
viele Häuser in dem Dorf gewesen, sich
pro libitu eine parochiam erwählet, aber
von der Stadt Warburg nach Westheim sind
verwiesen worden, sonst aber nach War-
burg …. (…………… …. ) , weil im
Warburger Wald keine Häuser mehr sind.
Siebers, parachus“. –
2.) Auf den Gutsgebäuden befinden sich noch
folgende, zum Teil bereits erwähnte In-
schriften: a) im Schafstall: JOANN MEL-
 

89

CHIOR ELMERHAUS VON CALENBERG
ELISABETHA FRAU VON CALENBERG. GEB.
DALWIGH V. LIGHTINE ANNO 1733.
In der sogenannten roten Scheune (jetzt
Brauerei Nebengebäude) an einem Dach-
balken des östlichen Giebels befindet sich die
Inschrift: OBRIST LIEUTNANT VON CALENBERG
1728.

________________________

Neubau der Kirche.
Beginnend mit dem 8. Dez. 1855 hat man
für den Neubau einer Kirche in Westheim
Gaben gesammelt. Diese Gaben waren bis
zum Jahre 1865 auf etwa 650 Thaler ange-
wachsen. Bezugnehmend darauf schrieb der
+Pastor Pollmeyer in die alte Pfarrchronik:
„Behufs des Neubaus einer Kirche zu Westheim
habe ich im Jahre 1855 festo immaculate
Conceptionis B.M.V. angefangen Feld zu
dem Zweck des Neubaues zu sammeln. Die
Sache nahm einen guten Fortgang, es trat
Begeisterung für den Neubau ein, sodaß
einige edle Seelen bedeutende Offerten


IX.
machten, und ich sogar einen Bauplan
bei Stat… in…..anfertigen lassen konnte,
(befindet sich nebst Akten im Pfarrarchiv.)
 wofür ich 118 M. gezahlt habe.

 

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pastoratus ubsistit.a href= style=

In den Jahren der Jahrhundertwende 1899/1900 traten in Westheim immer wieder Fälle von Thypus auf. Es gab keine zentrale Wasserversorgung. Die Bevölkerung holte für sich und das Vieh Wasser aus eigenen Brunnen, dem Mühlengraben und aus der Diemel.

Westheim hatte im Jahr 1924

- 1140 Einwohner
- 188 Haushalte
- 431 Stück Großvieh
- 1365 Stück Kleinvieh

 

1923 erkranken 4 Personen an Thypus. 1924 dann wieder 5 Einwohner. Ein Todesopfer war zu beklagen.

Es wurde erwogen, eine zentrale Wasserversorgung für Westheim zu bauen. Der Zivilingenieur J. Weinberger aus Höxter machte der Gemeinde ein Angebot von 60.000,-- MK.

Am 18. August 1924 wird in der Gemeindevertretung der Bau einer zentralen Wasserversorgung abgelehnt, da nicht auszuschließen sei, dass weiterhin Wasser aus eigenen Brunnen und aus der Diemel getrunken würde.

In den Jahren bis 1927 wird von der Behördenseite immer wieder der Bau einer zentralen Wasserversorgung gefordert. Gleichermaßen wird der Bau von der Gemeindevertretung immer wieder abgelehnt.

Im Mai 1927 müssen aus allen Brunnen Wasserproben zum Nahrungsmitteluntersuchungsamt Paderborn geschickt werden. Es wird festgestellt, dass das Wasser durch Jauche verschmutzt ist. Durch Polizei - Beschluss darf nur noch abgekochtes Wasser benutzt werden, mehrere Brunnen werden polizeilich beschlossen. Der Bau der Wasserleitung verzögert sich weiterhin.

Das Bauamt in Büren wird 1929 beauftragt, die Planung einer zentralen Wasserleitung zu erstellen. Im Jahre 1934 erkrankt erneut ein 14 Jahre alter Junge an Paratyphus.

Trotz der Dringlichkeit für eine Wasserversorgung wird diese in der Gemeindeversammlung am 5. Mai 1934 wieder abgelehnt, da durch die hohe Arbeitslosigkeit keine Mittel zur Verfügung stehen.

Nach dem zweitem Weltkrieg wird am 25. Januar 1954 zum ersten mal wieder erwähnt, eine Wasserleitung für Westheim zu bauen. Sobald die Mittel zur Verfügung stehen, will man damit beginnen.

Am 6. August 1954 wird beschlossen, die Bohrung für den Brunnen hinter der katholischen Kirche vorzunehmen. Die Tiefenbohrung wird zunächst auf 8, später auf 12 Meter festgelegt. Der Firma Stückmann aus Werl wird der Auftrag zum Bau des Brunnenhauses erteilt.

Am 7. Dezember erhält die Fa. Späth, Paderborn, den Auftrag zum Bau des Hochbehälters auf dem Hoppenberg.

Dem Westheimer Bauunternehmer Gebr. Wiemers wird am 21. an 1955 der Auftrag erteilt das Rohrnetz zu erstellen. Die Hauptleitungen werden in gusseisernen Rohren verlegt. Der Anschluss der Häuser erfolgt in Kunststoffrohren. Nachdem die Wasserzähler eingebaut sind, kann die Gemeinde Westheim mit Wasser versorgt werden.

Der Wasserpreis beträgt 0,35 DM/cbm. Das Entgelt pro Wasserzähler 0,25 DM.

In unserer Gegend befand sich eine wichtige Kreuzung von zwei Straßen, die schon zur Zeit Karl des Großen von entscheidender Bedeutung waren. Eine war die Nord-Südstraße von Mainz, Marburg, Korbach, Marsberg (damals Stadtberge) nach Paderborn. In Marsberg wurde Sie von einer anderen Straße geschnitten, die der Wasserscheide zwischen Ruhr und Lippe folgend, auf die Straße Brilon-Marsberg traf. Sie ging bis Marsberg und führte wahrscheinlich weiter durchs Diemeltal, was aber nicht belegt werden kann.

Es wird sogar vermutet, dass im Diemeltal eine Römerstraße verlaufen sein soll. 1880 hat man im südlichen Teil des Kreises Höxter Spuren eines Römerlagers entdeckt. Spuren einer Römerstrasse führten zum Diemeltal. Die Strasse führte wahrscheinlich auf die Via Regia bei Marsberg. Auch wurden Spuren am Abhang des Berges zwischen Westheim und Oesdorf gefunden.

Die Straßen durch das Diemeltal waren sehr schlecht. Die Diemel verlagerte häufig ihr Flussbett. Wege und Straßen wurden mehrfach überflutet. Oft wurden die Straßen auf die Berghöhen verlegt. 1828 baute man die Straße von Bredelar nach Warburg, welche 1831 fertiggestellt wurde.

Ein weiterer Fortschritt im Verkehr war der Bau der Ruhrtalbahn. In den Jahren 1870-1872 erreichten die Bauarbeiten Westheim. Es waren viele fremde Bauarbeiter in unserer Gegend. Die Löhne und auch die Preise stiegen gewaltig.

Zum Bau der Eisenbahnlinie an anderer Stelle mehr.

1951 wurde der Diemelwasserverband gegründet. Er erstreckt sich von Westheim bis Warburg. Die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen mussten ihre Zustimmung geben. Der Flusslauf der Diemel wird regelmäßig kontrolliert.

In den Jahren ab 1966 wurde die Autobahn A44 von Kassel nach Dortmund gebaut. 1972 wurde das Teilstück welches an Westheim vorbeiführt dem Verkehr übergeben. Anfangs wurde die Autobahn nicht so stark so befahren. Seitdem jedoch die innerdeutsche Grenze gefallen ist reichen die vier Fahrspuren fast nicht mehr aus. Man plant zur Zeit den Ausbau auf 6 Spuren.

Außerdem ist eine Anbindung der B7 an die Autobahn bei Billinghausen in Planung.

Wolfgang Becker, Ortsheimatpfleger, Im April 1995

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