westheim.org

unser Dorf im Netz

 

Zur Geschichte von Westheim

 

Westheim, in den Urkunden auch Westen, Westhem, Wuesten, Westheym, Westheymb genannt, ist in seiner jetzigen Lage, "up der Dimel, uppe der Dymele, beneben dem Marsberge," ein alter Ort.

Im Jahre 1080 wird er zuerst urkundlich erwähnt und zwar im Zusammenhang mit einem adligen Geschlecht (Ministeriales), das sich Herren von Westem oder Westheym nannte. Als Pfarrort wird Westheim 1050 zuerst genannt, bei der Aufzählung derjenigen Kirchen des Paderborner Landes, über welche dem Kloster Corwey das Collations-(Besetzungs) Recht zustand. Durch Corveyer Mönche, zu denen auch das Kloster auf der Eresburg, Obermarsberg, gehörte, das Karl d. Gr. 785 dort gegründet hatte, wurde hier die Kirche gegründet. Dafür spricht auch der Umstand, daß der hl. Vitus der Kirchenpatron ist. Corvey besaß die Reliquien dieses Heiligen und war bestrebt, seine Verehrung zu verbreiten und ihm zu Ehren Kirchen zu erbauen.

In der Zeit seines Bestehens sah Westheim mancherlei Ungemach:

Krankheit, Hungersnot und Krieg brachten viel Leid. Der"schwarze Tod", die Pest wütete mehrmals, so zuerst 1540 und 1541, dann wieder 1625-26; und als die Einwohner glaubten, nunmehr bewahrt zu sein, trat sie 10 Jahre später noch schlimmer auf; 2 Jahre lang ging das Gespenst des Todes umher, unterstützt von dem Würgengel Ruhr und holte sich zahlreiche Opfer. Nach 3 Jahren waren es die Blattern, die für den Tod Ernte hielten. Dann erzählt die Chronik nicht wieder von solcher Heimsuchung bis zum Jahr 1813, da in den Monaten August und September

800 Menschen an einer bösen Seuche krank lagen und 27 starben. An Einwohnern zählte das Dorf nur 496 Seelen. 1839 herrschte im Dorf die

Friesel- oder Fleckkrankheit, an der fast 30 Menschen starben; noch fühlbarer war Gottes prüfende Hand im Jahre 1874: Ruhr und Scharlach forderten nicht weniger als 54 Opfer.

"Betrübte, armselige Zeiten", wie es im Allgemeinen Gebete heißt, sah Westheim oft; besonders schrecklich war die Hungersnot des Jahres 1539, die das gesamte Paderborner Land heimsuchte, sodaß selbst vornehme Leute bettelten. Hundert Jahre später war abermals entsetzliche Teuerung; zu den Schrecken der Pest gesellte sich der Hunger, und Erdbeben vermehrte die Angst und Not. Aber Westheim speziell wurde betroffen im Jahre 1758, da ein schreckliches Unwetter am 10. Juni die ganze Ernte vernichtete.

Und nun entstand eine Teuerung, die furchtbar war. Mitleidige Soldaten gaben den Bauern, die Wasser in das Feldlager am Velsberg brachten, Brot. Im November 1790 kostete 1 Scheffel Weizen 5 Reichstaler 6 Groschen, der Roggen pro Scheffel 3 Reichstaler 12 Groschen,eine Molle Salz 20 Reichstaler. Im Juni 1762 kostete der Scheffel Roggen 9 Reichstaler, der Scheffel Gerste 7 Reichstaler 18 Groschen, das Maß Branntwein einen halben Reichstaler, 1 Pfund Kaffee 30 Groschen. Die Bauern backten sich Brot von Eicheln und starben vielfach an Verstopfung.

Im vorigen Jahrhundert waren immer wieder schlechte Erntejahre, und infolgedessen Teuerung, deren sich alte Leute wohl noch erinnern werden.

Unsere jetzige Jugend kann sich nicht vorstellen, wie hart und unter welch bitteren Entbehrungen damals die Kinder aufwuchsen. Schon im schulpflichtigen Alter mußten sie den Eltern in schwerer Arbeit helfen, so z.B. beim Dreschen. Damals hatte man noch keine Dreschmaschinen, alles mußte mit der Hand geleistet werden. Wie schwer mag es da manchem kleinen Buben oder Mädel geworden sein aufzustehen, wenn die Mutter um 2 Uhr morgens weckte und dem schlaftrunkenem Kind den Flegel in die Hand gab. Neben aller Müdigkeit empfand es Hunger, denn nur zu oft hatte die Abendmahlzeit aus einer "Kartoffel-Spelte" bestanden. Das Jahr 1843 brachte wegen anhaltender nasser Witterung im Frühjahr und Vorsommer eine schlechte Ernte. Alles war schlecht geraten und das wenige kam nicht gut ein. Da konnte die Not nicht ausbleiben. Es fehlte an Brot und Getreide. Graf Stolberg ließ von seinem Korn Brot backen und unter die Armen in Westheim, aber auch in Oesdorf, Meerhof, Essentho, Helmighausen und Hesperinghausen verteilen. Bemittelte Leute hatten für 6 Pfd. Brot 5 Silbergroschen zu zahlen. Waren die Ernten der 2 folgenden Jahre schon nicht sonderlich gut, so wurde 1846 und zumal 1847 noch schlimmer als das Jahr 1843. Der Winter war ungewöhnlich strenge gewesen, das Winterkorn war ausgefroren, dies und die schlechte Ernte des vorigen Jahres verursachte eine solche Teuerung, wie sie im ganzen Jahrhundert noch nicht erlebt war. Graf Stolberg ließ für die Armen in seiner Küche backen und durch den landwirschaftlichen Verein Korn und Kartoffeln kaufen. Roggen kostete der Scheffel 6 Reichstaler, Weizen 7 Reichstaler, Hafer 2 Reichstaler, für damalige Zeit fast unerschwinglich.

Nach dem Kriege 1870/71 kam dann der Aufschwung, und wer jetzt das stattliche Dorf sieht mit seinen sauberen Häusern, seinen vielen Neubauten, der großen Kirche, der wird darin das frühere Dorf mit seinen niedren Hütten, in denen so oft Hunger und Armut wohnten, nicht wieder erkennen.

Auch der dritte der Schrecken, um dessen Abwendung wir in der Allerheiligen Litanei beten, der Krieg, suchte im Laufe der Zeiten Westheim heim, oder forderte unter den Einwohnern seine Opfer. Am schwersten litt es wohl in der älteren Zeit unter der Bengler- oder Stiftsfehde 1384-1394, und dann im Soester Krieg 1444-49. Im Jahre 1496 brannte am Thomasabend (20./21.) Dezember das Dorf Dorpede, Dörpede ab, das zwischen Westheim und Billinghausen gelegen, auf beiden Diemelufern gestanden haben soll. Die Bewohner bauten sich nun in Westheim an, und keine Spur zeigt mehr die Stelle, wo Dorpede gestanden; nur die Sage erzählt, daß am Karsamstag Morgen die Glocken der versunkenen Kirche mitläuten.

Der 30 jährige Krieg brachte viel Unheil über die hiesige Gegend. Das "Unterhaus Westheim" der Freiherrn von Calenberg und mit ihm ein Teil des Dorfes gingen in Flammen auf. Nach einer Münze, die man 1892 beim Abbruch der gräflichen Ökonomie fand, muß es im Jahre 1631-1632 gewesen sein, in den Pappenheim-Hessischen Kriegszügen.

Auch für den 7 jährigen Krieg war hier der Schauplatz. Am1. Dezember

1758 überschwemmten Engländer, Hessen, Braunschweiger das Paderborner Land, kein Dorf blieb verschont. Hier in Westheim herrschte entsetzliche Not.

Als 1807 Napoleon seinen Bruder Jerome zum König von Westfalen machte, trat auch für Westheim eine Veränderung ein. Es hatte bis zur Säkularisation dem Fürstentum Paderborn zugehört, nun wurde es als Comune Westheim dem Departement der Fulda, mit Paderborn als Unterpräfektur dem Canton Wünnenberg eingegliedert.

Ob an dem russischen Feldzug Napoleons auch Westheimer teilnahmen ist nicht gewiß. (Anmerk. Wolfgang Becker: Mindestens ein Soldat ist nachweislich von Westheim nach Russland marschiert und nie

zurückgekommen.) Nach der großen Schlacht bei Leipzig im Jahre 1813 kamen am 8. September die ersten Kosaken durch Westheim, auf der Verfolgung Jeromes. Zu dem unter "Landwehr" in Paderborn errichteten Regiment stellte Westheim 31 Mann, viele folgten zudem freiwillig als Jäger dem "Allgemeinem Aufrufe". Die sämtliche waffenfähige Mannschaft übte als Landsturm jeden Sonn- und Feiertag mit Lanzen und Gewehren zu Fürstenberg, unter Freiherrn von Hartmann, der der Kommandant war.

Als Napoleon nach 100 Tagen Elba verließ und der Krieg von neuem entbrannte 1814, wurde auch dies Paderborner Landwehrregiment einberufen und in den Niederlanden stationiert, dort fanden in der Schlacht bei Waterloo 2 Westheimer: Franz Fleckner und Christian Ashauer den Heldentod. Zum dänischen Krieg 1864 schickte Westheim 20 Soldaten. Einer von ihnen, Wilhelm Drindel, starb in Schleswig-Holstein an einer Krankheit, alle anderen kamen glücklich wieder heim, Joseph Koch wurde durch den Arm geschossen, doch heilte die Wunde gut.

1866 wurden zum preußisch-östereichischen Krieg 50 Mann einberufen, alle kamen heil wieder.

Zum Krieg 1870/71 stellte Westheim 24 Reservisten, von diesen fiel ein Mann, von den Linienleuten 4.

 

Manch tapferer Veteran aus den drei Kriegen erzählte voll Stolz, zumal beim jährlichen Kriegerfeste, aus seinen Erinnerungen und Erlebnissen, und wie aufmerksam hörte man ihnen zu! Wer dachte, daß wir selber die Schrecken eines Krieges erleben sollten. Dann kam der Weltkrieg 1914-18.

Westeim sandte viele, viele seiner Söhne hinaus, 34 erlitten den Heldentod. In der Kirche ist ihrem Gedächnis der Altar der vschmerzhaften Mutter errichtet bworden. Für die heimgebliebenen Einwohner waren die Kriegsjahre Zeiten Banger Sorge, tapferen Entsagens und Aushaltens. Möge Gott nun Segen daraus erwachsen lassen, daß der Geist der Gottesfurcht und der fromme Glaube nie schwinden wird.

 

Entnommen aus:

Heimatbuch des Kreises Büren 1923

Gräfin Stolberg

Wer ist online

Aktuell sind 104 Gäste und keine Mitglieder online

Link1 | Link2 | Link3

Copyright © 2017 Team westheim.org. All Rights Reserved.