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Besonders wichtig für die Entwicklung des Ortes Westheim war die Familie Holtey, welche mit Hilfe des heute leider nicht mehr existenten Mühlengrabens in Westheim die Mühle und das Elektrizitätswerk betrieb.

 

Meine Schwester und ich waren als Nachbarskinder oft bei "Onkel Karl und Tante Elise" und haben uns im Sommer durch den herrlichen Vorgarten gefuttert. Es gab Erdbeeren, Birnen, Äpfel, Pflaumen, Erbsen, Mören, Johannisbeeren, Stachelbeeren und nachmittags auch mal ein schönes Brot mit selbstgemachtem Johannisbeergelee. Ich schmecke es jetzt noch, wenn ich daran denke. Lecker !!! Da ich technisch sehr interessiert war, dürfte ich mich auch oft durch Onkels Karls Werkstatt wühlen, die alten Stromzähler auseinandernehmen und beim Reinigen des Schutzgitters vor dem Turbineneingang helfen. Karl war bis ins hohe Alter sehr interessiert an allen technischen Neuerungen und lieh sich sogar bei mir einen Heimcomputer (Sinclair ZX Spektrum) aus, um "sich das mal anzusehen". Man muss bedenken, dass der Mann da schon ca. 90 Jahre alt war. Im Gegenzug erfuhr ich viel aus seiner Geschichte und las mich durch sein altens Dorfschulheft, welches neben dem Lied für den Kaiser und ein paar Kirchenliedern auch einige Seiten "Knigge" enthielt. Ich war beeindruckt, wie wenig im Buch über Mathematik und Deutsch stand, wie viel Platze aber für Kirche, Knigge, etc. war. Leider ging das Buch verloren. Auch erinnere ich mich an Karls Spruch: "Mit ein paar kleinen Dellen ist es mir von der Kindheit bis ins Alter immer etwas besser ergangen. Denk an meine Wrote, bei euch wird es umgekehrt sein." Manchmal hat man das Gefühl, er soll wohl Recht behalten. Die Westheimer Bevölkerung wird sich auch immer an das Bild erinnern, wenn "Onkel Karl", der alte Herr Köhler (Schmiede) und Jesper Senior (Modegschäft) in der Hauptstraße vor Köhlers Schmiede auf der Bank saßen und das Treiben an der B7 beobachteten und kommentierten. Leider finde ich das Bild dazu nicht, welches ich einmal hatte...

 

Als das alte E-Werk an der Mündung des Mühlengraben in die Diemel verkauft wurde, gab es noch eine sehr interessante Informationsveranstaltung in dem Gebäude. Herr Wilfried Holtey, Betreiber der neuen Stromgewinnungsanlage am Wehr, hat uns dazu die folgenden Informationen zu der Veranstaltung zur Verfügung gestellt:

 

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100 Jahre Strom in Westheim

 

Jubiläumsfeier in Westheim am 02.09.2006

Vor 100 Jahren wurde in Westheim der erste Strom erzeugt. Dieses Jubiläum feiert die Fa­milie Holtey am 02.09.2006.

Bereits um 1900, fasste der Müller Wilhelm Holtey (1871 -1952) den Ent­schluss, mit dem Wasserrad seiner Getreide­mühle auch Strom für den Ort Westheim zu erzeugen. 1906 war es dann so weit: das Westheimer Elektrizitäts­werk lieferte den ersten Strom. Es bestand damals neben dem Wasserrad aus ei­nem Gleichstromdynamo, einer Akkumulato­ren­batterie, der zugehörigen Schaltanlage und einem zunächst noch sehr kleinen Ortsnetz.

 


erster Strom im Westheim: Generator von 1906

 

Vorrangiges Ziel war damals die Installation einer öffentlichen Straßenbeleuchtung. In der Folgezeit fanden Handwerksbetriebe schnell Gefallen an der neuen Energieform. Nach und nach ließen sich auch immer mehr private Haushalte versorgen. Der Strombedarf stiegt stetig an. Zu seiner Deckung vergrößerte Wil­helm Holtey sein Elektrizitätswerk immer wie­der: 1919 errichtete er am Ende des Westhei­mer Mühlengrabens ein zweites Wasserkraft­werk.

 

Ehemaliges Wasserkraftwerk „An der Diemel 6“.
Hier wird am 02.09.2006 gefeiert.

 

1928 schaffte er ein Dieselaggregat an. In der Folgezeit wurde die Leistung der beiden Was­serkraftwerke mit besseren Turbinen erhöht. Bis Ende 1958 konnten Wilhelm Holtey und seine Söhne den Ort Westheim mit Strom ver­sorgen.

Zum 1. Januar 1959 übernahmen dann die VEW die Stromversorgung von Westheim. Das Stromnetz wurde zu diesem Termin von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Die Wasserkraftwerke in Westheim speisen seit diesem Termin in das öffentliche Stromnetz der VEW (heute RWE) ein.

Nun jährt sich die erste Stromerzeugung in Westheim zum 100. Mal. Grund genug für Familie Holtey, dieses Jubiläum mit einem Fest zu begehen:

Jubiläumsfest am 02.09.2006:

Ab 10:00 haben Interessierte die Gelegenheit das neue Wasserkraftwerk am Westheimer Wehr zu besichtigen.

Ab 12:00 findet die eigentliche Feier mit Aus­stellung „An der Diemel 6“ statt, auf dem Ge­lände des früher sogenannten „E-Werk“ statt. In den ehemaligen Betriebsräumen werden historische Geräte und Dokumente ausgestellt.

 

historische Instrumente

 

Fernen sollen auch Elektrogeräte aus der An­fangszeit der Elektrifizierung zu besichtigen sein. Hier fragt die Familie Holtey an: Wer hat historische Elekt­rogeräte, die anlässlich der Feier gezeigt wer­den könnten, als Leihgabe für die Dauer der Ausstellung. Kontakt:Winfried Holtey, 05251/480555.

Wie es sich für ein solches Fest gehört, ist für das leibliche Wohl gesorgt (zu ermäßigten Preisen).

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Über dieses Haus

 

Dieses Haus „An der Diemel 6“ früher „Westheim Haus Nr. 194“ wurde 1919 von unserem Großvater für den Betrieb einer Turbine gegründet.

1928 wurde das Haus um einen Querriegel verbreitert. In diesem Querriegel waren ein Dieselaggregat und eine Akkumulatorenbatterie untergebracht. Das Dachgeschoss beherbergte eine Schreinerei.

Diese Schreinerei und damit der Dachstuhl brannte 1931 aus. Der Dachstuhl wurde neu aufgebaut und erhielt damals schon seine heutige Form als Krüppelwalmdach.

1936 wurde die Turbine im Haus durch eine neue Franzisturbine der Firma Voith ausgetauscht. Dazu wurde vermutlich auch der Zulaufgraben geändert.

 

 

 

1948 wurde das Haus um ein Geschoss aufgestockt. Nach dem Krieg mangelte es akut an Wohnraum. So konnten im Haus zwei Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss eingerichtet werden.

1953 kam der Anbau auf der Westseite für die Ossberger-Turbine hinzu. Einige Jahre später wurde dieser Anbau um einige Steine angehoben, damit über der Turbinenanlage ein Stauraum entstand. Dieser Zustand blieb bis 2004 so erhalten.

Seit 2002 sind die Turbinen endgültig stillgesetzt. Die Anlagen werden nun seit 2004 zurückgebaut.

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Mühle

 

Daten der Anlage

Turbinenart:       Franzis-Schachtturbine mit stehender Welle

Hersteller:           Neumann, München (gibt es nicht mehr)

Baujahr:              1908


zur Geschichte der Turbine:

Die Turbine stammte ursprünglich aus „der großen Mühle“ in Hasede bei Hildesheim. Dort wurde sie ausgebaut und als gebrauchte, damals ca. 25 Jahre alte, Turbine in der Westheimer Mühle wieder eingebaut. Der Kontakt zur Haseder Mühle kam wahrschein­lich durch die Großmutter zustande, denn sie stammte aus Himmelsthür bei Hildesheim.


Projektierte Daten 1933:

Gefälle:                                                              1,8 m

max. Durchfluss:                                                        2,6 m3 / s

Wirkungsgrad bei Volllast:                               79 %

mech. Leistung:                                                49 PS = 36 kW

daraus zu erwartende elektrische Leistung: 30 kW

Drehzahl:                                                           70 U /min


tatsächliche Daten:

Gefälle:                                                    ca.    1,5 m (bis in die 70er Jahre)
                                                                  ca.    1,2 m (90er Jahre)

max. Durchfluss:                                              ca.    2,5 m3 / s

erzielte elektrische Leistung:                 max.          20 kW (bis in die 70er Jahre)
                                                                  max.12 kW (90er Jahre)

daraus zurückgerechneter Wirkungsgrad:    67 % (bis in die 70er Jahre)
                                                                  ca.    50 % (90erJahre)

Jahresstromerzeugung:                         bis    100 000 kWh (60er Jahre)
                                                                  ca.    20 000 kWh (90er Jahre)

Bei der Projektierung der Anlage war mein Großvater offensichtlich zu optimistisch be­züglich des nutzbaren Gefälles. Vermutlich hat er das Grabengefälle zu gering angesetzt. Bei der Planung wurde ferner eine später zu genehmigende Wehrerhöhung um 30 cm berücksichtigt. Damit hätte die zu erwartende elektrische Leistung 36 kW betragen.

Die erwartete Leistung wurde bei weitem nicht erreicht. Auch der projektierte Wirkungs­grad wurde nicht erreicht, er lag aber zumindest anfangs noch in dem Rahmen, der für eine gebrauchte Turbine dieses Baujahrs zu erwarten war.

Als ich die Anlage 1998 übernahm lag der Wirkungsgrad nur noch bei ca. 50 %. Dafür gab es mehrere Gründe: Die Turbine war zwar noch intakt aber schon erheblich ver­schlissen. Durch Probleme mit dem Obergraben war nicht mehr die volle Stauhöhe mög­lich. Die Sohle des Untergraben hatte sich durch Ablagerungen erhöht. Insgesamt ging so ein erheblicher Teil des Gefälles verloren. Für dieses verringerte Gefälle war dann die Drehzahl (sie wird durch, Getriebe, Generator und Netzfrequenz vorgegeben) nicht mehr optimal und der Wirkungsgrad nahm auch dadurch weiter ab.


Übersetzung:

Kegelrad-Winkelgetriebe von Wülfel und Riementrieb von 70 U/min auf 1030 U/min


Generator:

bis 1959:   Gleichstromdynamo, Leistung geschätzt 30 kW
ab 1959:    Asynchrongenerator, 1030 U/min, 22 kW


Schaltanlage:

1933:                  Schaltanlage für Inselbetrieb
ab 1959:    Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz
Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Die Anlage wurde manuell betrieben. Den größten Arbeitsaufwand forderte die Reinigung des Einlaufrechens mit einer Putzharke. Das Reinigungsintervall hing vom Schwemm­gutaufkommen ab. Im Sommer genügte es, den Rechen zweimal täglich zu reinigen. Im Herbst oder im Winter bei einsetzendem Hochwasser war mindestens eine stündliche Reinigung notwendig. Zeitweise musste stillgesetzt werden.

Weiter war die Öffnung der Turbine per Hand einzustellen. Bei zu kleiner Öffnung läuft Wasser vorbei oder es wird zu hoch gestaut, bei zu großer Öffnung  fällt der Oberwas­serpegel ab. In beiden Fällen geht Leistung verloren. Eine optimale Einstellung ist manu­ell kaum möglich. Meistens hat man die Öffnung etwas zu klein gewählt und etwas Was­ser vorbei laufen lassen.

Insgesamt lag der Arbeitsaufwand für den Betrieb der Anlage bei weniger als 1 Stunde pro Tag im Sommer bis hin zu mehreren Stunden täglich im Winter. Im Winter musste zudem der Mühlengraben enteist werden.

Solange die Mühle betrieben wurde (bis 1972), waren genügend Leute vor Ort zum Be­trieb des Wasserkraftwerks. Danach wurde der Betrieb für meine Vorfahren sehr mühsam und war eigentlich nicht mehr rentabel.


Wartung:

Die Turbine neigte dazu, sich mit Schwemmgut zu zusetzen. Dadurch ging Leistung ver­loren. Von diesem Schwemmgut wurde die Turbine meistens zweimal jährlich gereinigt. Für eine optimale Energieausbeute hätte man wesentlich häufiger reinigen müssen (zeit­weise wöchentlich). Ferner rostete die Leitapparatverstellung regelmäßig fest. Die Tur­bine ließ sich dann nicht mehr regulieren. Zum Wieder-gängig-machen, musste das Was­ser aus dem ge­samten Mühlengraben abgelassen werden, die Turbine wurde zerlegt, gefettet und wie­der zusammengebaut. Dies war jeweils Arbeit für zwei Leute für ein bis zwei Tage. Diese Arbeit wurde etwa alle 5 Jahre fällig, wurde aber nicht immer ausge­führt.

Die übrigen Anlagenteile des eigentlichen Kraftwerks waren wartungsarm: Lager schmie­ren, Riemen fetten usw. Der Unterhalt des Mühlengrabens und der Wehranlage hingegen war stets sehr arbeits­intensiv.


Reparaturen:

Soweit ich mich erinnern kann, hat es nur wenige Reparaturen gegeben.

Das Führungs-Lager der Turbine wurde ersetzt. Es ist zu vermuten, dass die Turbine durch das verschlissenen alte Lager zuvor Schaden genommen hat (zu großes Lager­spiel führt dazu, dass das Laufrad am Außenmantel schleift und so verschleißt).

Der Zahnradsatz des Kegelradgetriebes musste getauscht werden. Dies war sehr teuer, die Reparatur hat den Erlös von zwei Jahren Stromerzeugung verschlungen!


Verschleiß:

Die Turbine hat über 90 Jahre Betriebszeit sehr gut überstanden. Neben einer sehr soli­den Konstruktion, liegt das daran, dass durch den langen Mühlengraben nur wenig Sand und Kies bis zur Turbine gelangt ist.

Die Turbine könnte nach einer Generalrevision noch viele Jahre weiterbetrieben werden. Das Teuerste an einer solchen Generalrevision wäre der Aus- und Wiedereinbau des Laufrades. Mit einem überschaubaren Aufwand könnte die Turbine wieder in einen ähn­lich guten Zustand wie 1933 versetzt werden. Dies lohnt sich aber deshalb nicht, weil die Turbinentechnik nach 1908 noch deutlich verbessert wurde (siehe Schautafel zur Voith-Anlage).

Wie alles in der Westheimer Mühle begann

Schon sehr früh plante unser Großvater, mit seinem Wasserrad Strom zu erzeugen und ein Ortsnetz aufzubauen. Die ersten Angebote dazu datieren auf das Jahr1900.

1906 erzeugte er mit seinem Wasserrad den ersten Strom.



Ausrüstung der Anlage von 1906
Wasserrad:                  Durchmesser 4,5 m, Breite ca. 1,8 m


Elkektrotechnische Ausrüstung 1906:
(laut Angebot der Lahmeyer vom 3.04.1906):

Dynamo:                     11 kW, 1350 U/min, 230/300 V Gleichspannung  
                                      1254 Mark

Blei-Akkumulator:     120 Zellen mit 54 Ah                                                
                                      2252 Mark

Schaltanlage:             Schalttafel in Marmor                                               

                                      Sicherungen
                                      Spannungsmesser, Strommesser
                                      Zellenschalter für den Akkumulator
                                      400 Mark

Montage                      450 Mark zuzügl. Leistungen durch Bauhandwerker

Leitungsmaterial für Motoren und Beleuchtungsanlage: insgesamt ca. 600 m Draht
Montagezubehör für Leitungen
 

Gesamtpreis der elektrotechnischen Ausrüstung: 5000 Mark

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Ossberger:

 

Daten der Anlage

Ossberger-Durchström-Turbine mit Teilung 1/3, 2/3
Hersteller:                              Ossberger
Baujahr:                                 1952
Gefälle:                        ca.    2,90 m       (zuletzt 2,40: verringerte Stauhöhe)
max. Durchfluss:                   1,8 m3 / s   (1,6 m3 / s bei der verringerten Stauhöhe)
Wirkungsgrad:                       Herstellerangabe: mind. 80 %, tatsächlich: ca. 75 %       
Drehzahl:                               105 U/min
mech. Leistung:                    Herstellerangabe: 42 kW (57,5 PS)
elektrische Leistung:   max.  32 kW
Jahresstromerzeugung:       max.180 000 kWh (zuletzt: ca. 120 000 kWh)

Übersetzung zum Generator
Flachriementrieb mit Sieglingriemen von 105 U/min auf 625 U/min
Riemenscheiben: 2000 mm, 333 mm


Generator
Asynchrongenerator von Siemens, 40 kW, 625 U/min,

Schaltanlage
Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz (Siemens)


Automatisierung
Jahns-Regler für Schnellstopp bei Lastabwurf und zur Leistungssteuerung nach Wasser­stand mit Schwimmer.

 

Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Durch den Riementrieb lief diese Anlage so ruhig, dass das Geräusch in den Wohnungen oberhalb nicht störte.

Die Anlage wurde teilautomatisch betrieben. Über einen Schwimmer und einen Jahns­regler wurde der Oberwasserstand konstant gehalten. Der Regler stellte die Öffnung der Turbine genau passend zur Wassermenge ein. Ferner setzte sich die Anlage bei Lastab­wurf (Ausfall des Stromnetzes der VEW) selbsttätig still.

Der Rechen musste manuell gereinigt werden. Das Reinigungsintervall hing vom Schwemm­gutaufkommen ab. Im Sommer genügte es, den Rechen zweimal täglich zu reinigen. Im Herbst oder im Winter bei einsetzendem Hochwasser war mindestens eine stündliche Reinigung notwendig. Zeitweise musste ganz stillgesetzt werden.

Auch bei starkem Eisgang musste stillgesetzt werden. Ebenso bei Hochwasser, weil dann das Laufrad um Unterwasser watete und so abgebremst wurde.

Wartung:

Die Anlage war sehr wartungsarm. Halbjährlich waren Lager und Riemen zu fetten. Ein Riemen hielt etwa 15 Jahre. Jährlich wurde der Graben geräumt.

Reparaturen:

Das Laufrad musste 1960/61 und 1989 erneuert werden. Von 1980 bis 1989 wurden nach jedem Winter Schäden am Laufrad repariert. Die Konstruktion war 1952 offensicht­lich noch nicht ausgereift. Das letzte Laufrad von 1989 ist deutlich robuster ausgeführt. Andere Reparaturen sind uns nicht bekannt.

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Voith:

 

Daten der Anlage

Franzis-Schachtturbine mit stehender Welle, Turbinen-Nr. 12056
Hersteller:                              Voith
Baujahr:                                 1936
Gefälle:                        ca.    2,80 m      
max. Durchfluss:                           1,57 m3 / s         
Wirkungsgrad bei Volllast:            82 %
Drehzahl:                               135 U/min
mech. Leistung:                    Herstellerangabe: 37 kW (48 PS)
elektrische Leistung:            30 kW
Jahresstromerzeugung: zusammen mit der Ossberger-Turbine: max. 250 000 kWh


Übersetzung zum Generator

Präzisions“-Winkelgetriebe von Voith 135 U/min auf 1030 U/min

Generator
Asynchrongenerator von AEG, 32 kW, 1030 U/min,

Schaltanlage
Schaltanlage zur Einspeisung in ein Drehstromnetz (Siemens)


Automatisierung
Drees-Regler für Schnellstopp bei Lastabwurf und zur Leistungssteuerung nach Wasser­stand mit Schwimmer.

 

Erfahrungen mit der Anlage

Betrieb

Durch das Winkelgetriebe war diese Anlage sehr laut. Außerdem produzierte das Ge­triebe viel Wärme: durch eine Klappe in der Decke wurde die Wohnung oberhalb geheizt.
Wegen der Geräusche wurde nach 1953 überwiegend die Ossberger-Turbine verwendet.

Der Wirkungsgrad der Turbine war gut. Im Leistungsvergleich konnte sie mit der Ossber­ger-Turbine mithalten, obwohl sie 10 % weniger Wasser fasste. Der Auto­matisierungs­grad entsprach seit den 60-er Jahren dem der Ossberger-Anlage: Wasser­standreglung und Stillsetzen bei Lastabwurf. Der hauptsächliche Arbeitsaufwand bestand in der Reini­gung des Einlaufrechens (siehe Ossberger).


Wartung
Die Turbine musste mehrmals im Jahr von Schwemmgut gereinigt werden. Dies war ein erheblicher Nachteil gegenüber der Ossberger-Turbine, denn zur Reinigung der Turbine musste jeweils der gesamte Mühlengraben abgelassen werden.
Über sonstige Wartungsarbeiten ist mir nichts überliefert worden.


Reparaturen:

Anfänglich bereitete die Leitapparatverstellung Probleme. Mehrmals mussten Lagerbuch­sen und Bruchlenker ausgetauscht werden. Schäden treten hier auf, wenn sich Äste zwi­schen die Leitschaufeln setzen und die Leitschaufeln dann verstellt werden. Von sonsti­gen Reparaturen weiß ich nichts. Unsere Vorfahren waren mit der Qualität der Turbine sehr zufrieden.
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Johann Wilhelm Theodor Schulte-Holtey            9.1.1824 – 6.5.1881

Unser Urgroßvater stammte aus Beule bei Essen-Steele. Auch unsere noch älteren Vorfahren stammen aus der Gegend bei Essen: Beule, Horst Altendorf.

Wilhelm Holtey (genannt Knühl) war Müller und Bauer. Am 28.11.1861 heiratete er die Witwe Agatha Degenhard, geb. Stute aus Westheim und übernahm so die West-heimer Mühle.

Agatha und Wilhelm Holtey hatten miteinander mindestens fünf Kinder: vier Töchter (siehe Familienbild unten) und als letztes Kind einen Sohn, unseren Großvater Wil­helm Holtey.

Wilhelm verstarb im Alter von 57 Jahren an Lungenentzündung. Bis zur Geschäfts­fähigkeit ihres Sohnes führte Agatha Holtey die Geschäfte der Mühle weiter.

Großmutter Agatha Holtey war in erster Ehe mit Friedrich Degenhard verheiratet.
Friedrich Degenhard (1812 – 13.9.1857) oder sein gleichnamiger Vater (1774 – 24.4.1839) kaufte 1837 die Westheimer Mühle für 2500 Taler vom Westheimer Gut. Besitzer des damaligen „Rittergutes Westheim“ war Herr Karl Engelbrecht.
Aus Ihrer ersten Ehe hatte Urgroßmutter Agatha eine Tochter: Caroline Degen­hard.

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Wilhelm Holtey 09.01.1871 – 21.07.1952

Nachdem Urgroßvater Wilhelm Holtey verstorben war, übernahm Urgroßmutter Agatha Holtey die Geschäfte der Mühle bis Großvater Wilhelm Holtey geschäftsfähig war. Großvater Wilhelm hatte vier Schwestern und eine Halbschwester. Für die Ver­sorgung der Halbschwester Caroline Degenhard (Tochter der Agatha Holtey aus erster Ehe mit Friedrich Degenhard) wurde die Mühe mit einer Hypothek belastet. Außer­dem ist davon auszugehen, dass auch die anderen Schwestern auszusteuern bzw. zu versorgen waren. Daher übernahm Großvater Wilhelm Holtey die Westheimer Mühle mit erheblichen Schulden.

Trotzdem modernisierte der die Mühle von Grund auf: die alten drei einzelnen kleinen Wasserräder ersetzte er durch ein neues großes Wasserrad von 4,6 m im Durchmesser und 1,8 m Breite und stattete die Mühle mit damals neuester Technik aus (vor 1900). 1906 gründete er das Westheimer Elektrizitätswerk; mit seinem Wasserrad erzeugte er den ersten Strom in Westheim. Zur Finanzierung verkaufte er den größten Teil der Landwirtschaft. 1919 errichtete er am Ende des Westheimer Mühlengrabens ein zweites Wasserkraftwerk (Westheim Haus Nr. 194, jetzt An der Diemel 6). In der Folgezeit wurden die beiden Wasserkraftwerke weiter modernisiert und erweitert.

Großvater Wilhelm Holtey heiratete 1896 Maria Heidland aus Himmeltür bei Hildes­heim. Mit ihr hatte er 13 Kinder, von denen 10 das Erwachsenenalter erreichten. Ein Sohn verstarb mit 21 Jahren an Lungenentzündung ein weiterer Sohn fiel im zweiten Weltkrieg.

 

 

Zusatz Strompionier:

Unser Großvater erkannte sehr früh, dass Strom die Energie der „Zukunft“ war. Seine Pläne für ein eigenes E-Werk reichten mindestens bis 1900 zurück.
(Auf 1900 datieren erste von uns gefundene Angebote zur Ausstattung eines Elektrizitätswerks).

1906 gründete Großvater das „Westheimer Elektrizitätswerk“, und der Ort bekam elektrisches Licht. Dies war für die Größe des Ortes sehr früh. In Westheim brannte die elektrische Straßenbeleuchtung früher als im viel größeren Ort Marsberg.

Unser Großvater war ein wagemutiger Unternehmer: er verkaufte die Landwirtschaft um die Ausstattung seines Elektrizitätswerks bezahlen zu können.

Dies sind für mich die Kriterien für einen (Strom)-Pionier:
- früher und fester Glaube an die Zukunft einer Technologie (hier: Strom)
- tatkräftige Umsetzung
- Bereitschaft dafür erhebliche Risiken einzugehen

Früh glaubte unser Großvater an die Zukunft des Stroms und ließ sich auf das erhebliche wirtschaftliche Risiko ein, ein Elektrizitätswerk aufzubauen.

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Clemens Liborius Holtey          04.11.1917 – 14.10.2001

Unser Vater Clemens hatte einen weniger geradlinien Lebensweg:
Er studierte zunächst Theologie. Dann wurde er zum zweiten Weltkrieg eingezogen (Russland). Nach dem Krieg brach er das Theologiestudium ab und wechselte zur den Volkswirtschaften. 1946 arbeitete er für ein Jahr bei der Reparatur des Stauwehrs mit. Nach einigen Jahren in Westheim nahm er 1959 eine Stelle bei der VEW in Arnsberg an.

Mit unserer Mutter Maria Holtey, geb. Spiller hatte er drei Kinder.
 

 

 

     

 

    

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Elisabeth Schubach, geb. Holtey        24.09.1911 – 04.02.2006

Tante Elise verbrachte ebenfalls die meiste Zeit ihres Lebens in Westheim.

Sie heiratete erst spät den Müller Hubert Schubach und hatte keine Kinder. Hubert Schubach war der Bruder von Elisabeth Holtey, der Frau von Onkel Fritz.

 

 

     

 

    

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Friedrich Herbert Aloysius Holtey    16.06.1904 – 31.03.1994

Onkel Fritz war der ältere der beiden Müller seiner Generation. Er führte zusammen mit seinem Bruder Josef die Westheimer Mühle bis 1972. Zusammen mit ihm modernisierte und elektrifizierte er die Mühle.

Onkel Fritz überlebte den zweiten Weltkrieg in Russland.

Onkel Fritz heiratete erst sehr spät Elisabeth Schubach und hatte keine Kinder.

 

 

 

 

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Josef Holtey                         16.03.1906 – 11.04.1994

Onkel Josef war der jüngere der beiden Müller seiner Generation. Er führte zusammen mit seinem Bruder Fritz die Westheimer Mühle bis 1972. Zusammen mit ihm modernisierte und elektrifizierte er die Mühle.

1946 arbeitete er für ein Jahr bei der Reparatur des Stauwehrs mit.

Obwohl Onkel Josef früher als seine Geschwister verlobt war, heiratete auch er erst sehr spät Helene Jesper aus Westheim und hatte keine Kinder.

 

 

 

 

 

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Karl Maria Joseph Holtey         18.04.1903 – 15.11.1998

Onkel Karl war für die längste Zeit des Bestehens des Westheimer Elektri­zitätswerks (bis Ende 1958) der Betriebselektriker und war damit für den Betrieb der Wasserkraftwerke und für den Unterhalt des Ortsnetzes ver­antwortlich.

Bis in die 70er Jahre führte er einen kleinen Elektroinstallati­onsbetrieb. Auch danach betrieb er das Wasserkraftwerk „An der Diemel 6“ weiter.

Er heiratete spät Maria Wulff und hatte keine Kinder.

 

     

 

 

 

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Onkel Karls Drehbank

 

ca. 1925

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Bilder:

 

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Fotos vom Tag der offenen Tür am 02.09.2006 (Archiv Jörg Erkel):

 

 

Anmerkung: Bericht eingestellt und Vorwort verfasst sowie großteil der Bilder der abschließenden Gallerie von Jörg Erkel, Großteil der Daten zu Familie und Technik von Winfried Holtey

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