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unser Dorf im Netz

Vor, und nach, dem zweiten Weltkrieg gab es in Westheim noch viele Lebensmittel-Geschäfte.  Das Angebot der Waren war nicht sehr groß, reichte aber für die Versorgung der Einwohner aus. Salz, Zucker usw. gab es in Säcken. Für Rosinen, Nudeln und andere kleinere Waren gab es Regale mit verschiedenen Schubladen. Es wurde alles abgewogen und in Papiertüten verpackt. Milch wurde mit einem Litermaß gemessen, und in Kannen  verkauft.  Brot und einige Backwaren gab es nur beim Bäcker, welche aber auch Lebensmittel verkauften.  Durch Hausschlachtungen wurden Wurstwaren selbst hergestellt.  Obst gab es nur von einheimischen Früchten. Honig, Marmelade, Rübenkraut usw. wurden von vielen Haushalten erzeugt.

Nun zu den einzelnen Geschäfte:
 

"Assmuth" Kasselerst. 21. Lebensmittel.

"Kleck" Kasselerstr. 20. Bäckerei und Lebensmittel. (Erstes Cafe in Westheim.)

"Otto" Kasselerstr. 26 Filiale Fa. Otto, Meerhof, Wurst und Fleischwaren.
 

"Degenhardt" Kasselerstr. 23. Lebensmittel. Hier wurden auch kleine Landwirtschaftliche Geräte angeboten.

"Wernecke" Kasselerstr. 39. Bäckerei und Lebensmittel.

"Godehardt" Kasselerstr. 45 Filiale, Wurst und Fleischwaren.

"Molkerei" Kasselerstr. 44. Hier konnte man Milch, Butter und Sahne kaufen.

"Michels" Kasselerstr. 54. War das letzte Lebensmittel-Geschäft in Westheim. Es wurde 2017 aufgegeben.

"Schlüter" Im Belgrad 14. Bäckerei und Lebensmittel.

"Fogolin" Auf der Insel 31. bei der evangelischen Kirche. Lebensmittel
 

"Zieren" Auf der Insel 25. Lebensmittel. In diesem Haus war auch die Spar- und Dahrlehnskasse untergebracht

"Hartwig" Auf der insel 2. Lebensmittel.

"Stratmann" Waldeckerstr. 7. Bäckerei und Lebensmittel.

"Reck" Franziskusstr. 23. Lebensmittel.

"Schmücker" Franziskustr. 43. Lebensmittel.

"Godehardt" Franziskusstr. 19. Wurst und Fleischwaren.

"König" Hoppenberg. 21. Lebensmittel.

"Rasche" Lindenweg 9.  Wurst und Fleischwaren.

Lebensmittel-Geschäfte für den täglichen Gebrauch gibt es heute in Westheim nicht mehr.

Es gab, und gibt heute noch viele Einzelhandels-Geschäfte in Westheim. Es würde den Rahmen sprengen um sie alle aufzuführen.

Wolfgang Becker
Ortsheimatpfleger
Westheim
Im Juli 2017

Bedeutung der Straßen und Wege in Marsberg, Ortsteil Westheim:

Bevor Westheim im Jahre 1975 der Stadt Marsberg zugeordnet wurde, gab es noch keine amtlichen Straßen- und Wegebezeichnungen. Es mußte darauf geachtet werden, damit in keinem Ort der Stadt Marsberg ein Namen zweimal vorkam. In Westheim gab es vor 1975 nur Hausnummern. Wenn ein Haus neu errichtet wurde bekam es die nächste Hausnummer.

 

Doch nun zu den Straßen- und Wegenamen:

"Kasseler Straße."

Die Kasseler Straße ist die Durchgangsstraße von Westheim. Sie wurde etwa 1840 erbaut. Damals hieß sie: "Provinzialstraße  von Hagen nach Beverungen". In Beverungen gab es eine Furt durch die Weser, und man konnte von da aus in den Norden von Deutschland gelangen. Später hieß sie Hauptstraße, bzw. Bundesstraße 7. Ab 1975 KasselerStraße.

 

 

"Alter Postweg."

Von der Kasselerstraße zweigt der Alter Postweg ab. Es ist eine "Sackgasse". An der Einmündung steht ein etwas größeres Mietshaus. Hier stand früher das "Kaiserliche Postamt". Ein wunderschönes Gebäude, welches leider abgebrochen wurde. Ein weiterer Abzweig ist die

 

"Belgradstraße."

Es ist eine Bogenstraße, welche wieder auf die Kasselerstraße mündet.

Der Sage nach hat der Name folgende Bedeutung: Am Ende der Straße gibt es "Am Steinbring" ein Denkmal. Es steht auf einer Erhöhung, einem Fels

(grad) welcher sich von Blankenrode bis in Richtung Korbach zieht.

(Siehe auch Westheimer Abbruch.org ) Vor vielen hundert Jahren hat man hier auf dem Grad einen heidnischen Gott mit dem Namen "Bel" verehrt.

Daher "Belgrad". Dann folgt von der Kasselerstraße der Abzweig zum

 

"Hoppenberg."

Am Hoppenberg hat man vor langen Jahren versucht Hopfen anzubauen, was sich wohl nicht lohnte. Heute zieht sich der Hopfen an Drähten hoch.

Damals hat man Stöcke benutzt um den Hopfen hochzuziehen. Der Bauer, welche die Stöcke anfertigte, hatte als Beinamen "Hoppenstock". Vom Hoppenberg geht die Straße

 

"Schöne Aussicht"

ab. Man hat von hier einen wunderbaren Ausblick über das Diemeltal, mit seinen Häusern.

 

Da die Siedlung oberhalb vom Hoppenberg in einer waldreichen Gegend gebaut wurde, hat man die  Wege nach Baumarten ernannt:

"Ahornweg", "Akazienweg"," Kastanienweg", "Buchenweg", "Lindenweg","Birkenweg" ,"Ulmenweg", "Eschenweg","Kiefernweg". Unterhalb vom Hoppenberg verläuft die

 

"Rosenstraße."

Von hier hat man einen schönen Blick auf den Dahlberg. Vom unterem Teil des Hoppenberges geht der Weg

 

"Im Dahle".

Benannt nach dem Dahlgraben. Am Abzweig der Strasse nach Oesdorf verläuft die Strasse

 

"Hoppenbeeke".

Die Hoppenbeeke (Hoppenbicke) ist ein kleiner Bach welcher unterhalb des Meierberges entspringt, unter der B7 und dem Bahndamm zum Dahlbach geführt wird. Bei starker Schneeschmelze und starken Regen kann er gewaltig anschwellen. Von der Hoppenbeeke zweigt noch die Straße

 

"Püllweg"

ab. Hier haben sich, ebenfalls wie an der Hoppenbeeke, mehrere Bauernhöfe angesiedelt.

 

Auf der anderen Seite der Kasselerstraße verläuft zunächst der Weg

 

"Am Wehr".

Das Block (Wehr) staut das Wasser der Diemel auf und leitet einen Teil in den Mühlengraben. Bevor der Mühlengraben aufgegeben wurde, floss das Wasser, nachdem es zwei Mühlen angetrieben hatte, wieder in die Diemel.

So entstand zwischen Diemel und Mühlengraben die Strasse

 

"Auf der Insel",

Ein Stück von Westheim, welches komplett von Wasser umgeben war. Die alte Mühle von Westheim stand damals an der heutigen Straße

 

"An der Mühle"

Gleich daneben verläuft der

 

"Steinweg"

neben dem Bahndamm. Am Oberlauf der Diemel hat man den Diemeldamm auf mehrere Meter angefüllt, damit kein Hochwasser den Ort überschwemmen konnte. Daher der Name

 

"Diemeldamm".

Von der Kasselerstraße geht eine Straße über die Diemelbrücke ins Waldecker Land, die

 

"Waldecker Straße"

Von der Waldecker Straße zweigt der Weg

 

"Im Winkel"

ab. Vor der Diemelbrücke fängt links die Straße

 

"An der Diemel"

an. Sie endet am östlichen Ausgang des Dorfes. Parallel dazu wurde die

 

"Franziskus Straße"

gebaut. Im Jahre 1966 wurde die Franziskus-Schule erbaut. 1975 erhielt die Straße ihren Namen. Die Straße

 

"Graf-Stolberg-Straße"

unterbricht die Franziskusstraße von der Diemel bis zum Bahndamm. Der Graf Stolberg verkaufte seine Wiesen an die Gemeinde Westheim und sie wurden weiter verkauft an willige Bauherren. Ebenso die

 

"Vitusstraße"

Dem Schutzpatron der Kirche geweiht. Von der Kasselerstraße bis zur Diemel verläuft die

 

"Industriestraße"

da sich mehrere Industrie-Firmen niedergelassen hatten. Parallel zum Bahndamm verläuft die Straße

 

"Dörpeder Mark"

Sie soll an den Ort erinnern, welcher vor Jahrhunderten untergegangen ist. Zum Schluß der

 

"Meierplatz"

Damals gab es noch eine "Gräflich zu Stolbergsche Gutsverwaltung". Es waren sehr viele Leute beschäftigt.  Die Milchwirtschaft wurde auch als Meierei bezeichnet. (Herstellung von Milchprodukten, Käse usw.) Die Franziskusstraße, die Graf Stolbergstraße, die Vitusstraße und der Meierpatz waren, vor der Bebauung, Hütewiesen für die Kühe (Meierei).

 

Wolfgang Becker

Ortsheimatpfleger

Westheim

Hochwasser 16. Juli 1965 in Westheim

 

Nach tagelangen Regenfällen waren in unserer Gegend Flüsse und Bäche stark angeschwollen. Der Pegelstand der Diemel war so hoch gestiegen, daß die Brücke an der Straße nach Helmighausen die Wassermassen kaum fassen konnte. Viele Keller in der Siedlung standen unter Wasser.

 

Schlimmer war es allerdings vom Dahlbach gekommen. Der Bach führte sehr viel Wasser. Als sich dann ein Wasserfaß, aus Richtung Oesdorf kommend, vor einer Brücke festsetzte, war es geschehen. Die Wassermassen konnten  ungehindert ins Dorf fliessen. Der Bahndamm hielt das Wasser zurück, so daß Hauptstrasse (B7), Belgradstrasse und alter Postweg teilweise bis zu zwei Meter unter Wasser standen. Der alte Feuergraben war der einzige Durchlass wo der Dahlbach in die Diemel fliessen konnte.

 

Bei den etwas tiefer liegenden Häuser stand das Wasser meterhoch in den Wohnräumen. Viele Tiere ertranken. Von der Kanzel in der Kirche rief der Herr Pastor am Sonntag alle Westheimer auf, den geschädigten Bürgern zu helfen. Viele Leute kamen. Bauunternehmer mit Radladern. Bauern mit Trecker und Wagen, andere mit Schaufeln. Einige Häuser waren nur noch zum Teil bewohnbar. (Siehe auch "Alte Bauernhöfe und Häuser in Westheim").

 

Der Zusammenhalt der Westheimer Bevölkerung war sehr groß.

Zur gleichen Zeit wurde in Westheim die Kanalisation gebaut. Die Arbeiten verzögerten sich durch das Hochwasser. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich noch wochenlang hinaus. Nach Jahren wurde der Dahlgraben ab der B7 ausgebaut und verlegt. Jedoch an der Stelle wo das Wasser ins Dorf hereinbrach wurde leider nichts unternommen, sodaß eine Überschwemmung, wie damals, auch heute bei starken Regen  nicht ausgeschlossen ist.

 

Zur Information noch folgender Hinweis: Laut der Westheimer Chronik wird berichtet, daß am 10. Juni 1758 ein schwerer Donner und Hagel auf Westheim hernieder ging. Vielen Bauern ging für mehrere Jahre die Ernte verloren. Doch hierzu einen späterer Bericht, auch von den Namen der Westheimer Bauern, die man heute nicht mehr kennt.

 

Nun zu den Bildern:

 

Bild 1 "Hauptstr. ab rechts Molkerei" Foto von Herrn Kambach, damaliger Leiter der Poststelle Westheim. Aufgenommen vom Postamt Westheim.(Heute Bürohaus Alfons Jesper).

 

Bild 2  " Haus Gasthof Degenhardt" - Foto Ludger Dickmann. Aufgenommen von Textilhaus Jesper.

 

Bild 3 " Milchwagen vor der Molkerei", links das alte Haus von Engelhardt, heute Blumen Trachternach. Foto Josef Hülsmann.

 

Bild 4" Zeitzeuge Wolfgang Becker. Vor dem alten Gasthof "Wegener-Hülsmann" Es fuhr damals noch eine Kraftpost von Westheim über Meerhof nach Fürstenberg. An der Wand ist noch zu erkennen wie hoch das Wasser stand. Man rauchte noch "Juno". Foto Josef Hülsmann.

 

Wolfgang Becker

Ortsheimatpfleger

Westheim

 

Recht herzlich möchte ich mich bei  Herrn Jörg Erkel von der Firma HRT bedanken, welcher für mich unentgeldlich die Berichte einstellt.

Die „Marsberger Geschichten“ gehen neue Wege –

Der Geschichts- und Heimatverein bilanziert

 

Marsberg. 2015 ist Geschichte pur! Das stellte jetzt der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ im Rahmen seiner Jahresbilanz für das Jahr 2015 fest. 2016 wollen die „Marsberger Geschichten“ allerdings neue Wege gehen. Gesucht wird eine zusätzliche Museums-Filiale. Andreas Karl Böttcher, Vorsitzender der Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.: „Der Verein hat uns, den handlungsbevollmächtigten Vorstand, beauftragt, eine zusätzliche Museums-Filiale neben unserem Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ einzurichten! Das Museum „Haus Böttcher“ in der Eresburgstraße 28 ist insbesondere im Zusammenspiel mit den vielen Stadtführungen, die unser Heimatverein in Obermarsberg anbietet, einmalig. Auch die Außendimensionen des Gebäudes von an die 25 Metern Länge und rund 15 Metern Breite lassen auf 4 Etagen vielerlei Möglichkeiten zu. Wir haben aber festgestellt, dass gerade ältere Mitbürger Marsbergs und auch viele Touristen von auswärts, die beispielsweise per Bahn anreisen, es eher beschwerlich finden, auf den Berg zu kommen. Der Höhenunterschied zur Marsberger Kernstadt für evtl. Spaziergänge und die eher schlechten Busverbindungen des öffentlichen Nahverkehrs am Wochenende sind da nur zwei Beispiele!“ Böttcher weiter: „Unser Verein sucht daher geeignete Ausstellungsräume in der Niedermarsberger Innenstadt als zusätzliches, museales Angebot. – Idealerweise ein altes, bezugsfertiges Fachwerkhaus, das dann von uns mit der nötigen Sicherheitstechnik und mit mannigfachen Ausstellungsexponaten bestückt werden kann!“ Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein freut sich hier ab sofort auf viele Hinweise und Angebote aus der Marsberger Bevölkerung. Das Vereinsjahr 2015 war mit insgesamt 127 Aktionen, davon 21 Stadtführungen durch das historische Obermarsberg, sehr erfolgreich. Sicherlich ist die Zahl der Stadtführungen gegenüber 2014 mit insgesamt 38 Stadtführungen zurückgegangen. Allerdings muss man die vielen zusätzlichen Führungen des Jahres 2014 anlässlich des 1.200-jährigen Todestages von Karl dem Großen, der viele Besucher im „Karls-Jahr“ nach Obermarsberg lockte, herausrechnen. Die „Palette“ der Gruppen, die sich die Geschichte Obermarsbergs verdeutlicht haben lassen, ist von der Adelsfamilie von Jagow, über den Lehrerverband Paderborn bis hin zur Icker-Kantorei aus Belm, die in der Niedermarsberger Propsteikirche während eines Gottesdienstes einen Auftritt hatte, sehr bunt- und breitgefächert. Interessant waren auch in 2015 Zusammenarbeiten mit dem Naturpark Diemelsee, der bekanntermaßen bis nach Obermarsberg reicht. Willingen war im Jahr 2015 Gastgeber des Deutschen Naturparktages. In Obermarsberg führten hierzu Johannes Schröder (VNV), Werner Schubert und Benedikt Wrede (Biologische Station des HSK) an die 100 Teilnehmer aus rund 40 Naturparken Deutschlands zu allen Punkten des Naturschutzes im Naturpark Diemelsee in der Gemarkung zwischen Giershagen und Obermarsberg. Die „Marsberger Geschichten“ präsentierten 2015 auch zahlreiche plattdeutsche Radio-Sendungen vom Erlingser Karneval, über den plattdeutschen Meerhofer Friseursalon, Sondersendungen zu Mensch und Tier bis hin zu Adventssendungen. Die Sendung mit den Schülern der 3. Klassen der Katholischen Grundschule am Marsberger Burghof wurde sogar zum Bürgermedienpreis NRW zugelassen. Insgesamt stehen bei der Hochsauerlandwelle 50 plattdeutsche Radio-Sendungen mit Marsberger, Briloner, Olsberger und Esloher Sprechern für das Jahr 2015 zu Buche. Besonders stolz ist man auf die Kooperation mit den „Platt-Sprechern“ aus dem Waldecker Land. Erste Kontakte wurden 2015 nach Diemelstadt und in die Gemeinde Diemelsee geknüpft. Hochdeutsche Radio-Highlights setzten die „Marsberger Geschichten“ z. B. mit den Eisbahnfreunden Marsberg, mit einem Rückblick zum Festakt 25 Jahre Radio Sauerland, zum Kreisschützenfest in Essentho, zu 50 Jahre Naturpark Diemelsee, zum Marsberger Grenzbach, der Orpe, oder zum Erlinghäuser Brauchtum. „Sauerländer Köpfe“, so heißt die neue Radio-Reihe der Hochsauerlandwelle. Moderator Markus Hiegemann entlockte zusammen mit den „Marsberger Geschichten“ von Hermann-Josef Hoffe, Dr. Adalbert Müllmann und Hermann Schröder viele ganz persönliche Bekenntnisse zur Sauerländer-Heimat. Mit dem Sauerländer Heimatbund und der Marsberger Ortschaft Oesdorf organisierte man inhaltlich den „Plattdeutschen Tag im Sauerland“ im Stertschultenhof Cobbenrode. Die Oesdorfer Platt-Sprecher ernteten von allen Sauerländer Heimatfreunden tosenden Beifall für ihre Darbietungen. Plattdeutsche Sprecher des Vereins aus Beringhausen und Oesdorf unterstützten auch die Verwirklichung des „ISA“-Projektes (ein interaktiver Sprachatlas) der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens, sodass dieses Portal in 2015 online gehen konnte. Zahlreiche neue Exponate wurden von der Bevölkerung dem Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ gestiftet. Die für die Geschichte interessantesten Stücke werden in der Reihe „Marsbergs Fundstück des Monats“ mit Hintergrundinformationen regelmäßig prämiert. Geschichtliche Aufarbeitungen nahm der Verein zu den Themen „40 Jahre HSK“, Einmarsch der Alliierten vor 70 Jahren in Bredelar und Giershagen, Abschuss eines Flugzeugs über Padberg oder den Bauten der Kirchen in Meerhof, Padberg und Leitmar vor. In 2015 schafften es die „Marsberger Geschichten“ zweimal den WDR ins Marsberger Stadtgebiet zu locken. Zum Larenz-Altar und Figuren der Leitmarer Kirche filmte ein Kamera-Team in der Oesdorfer Spezialwerkstatt Scholand im Frühjahr 2015 und vor dem Weihnachtsfest war der WDR erneut Gast in Marsberg. Szenen zum gewickelten Jesuskind des Museums „Haus Böttcher“ wurden in Obermarsberg und Padberg mit dem Restaurator Schröder, Gräfin Droste zu Vischering und Ortsheimatpfleger Becker eingefangen. Mit den Auftragsbüchern zur Bildhauerwerkstatt Larenz und einem Werk von Elmar Brohl (Stadtbaudirektor i. R., Marburg) zur Familiengeschichte sowie zu den Larenz-Kreuzwegen konnten 2015 von den „Marsberger Geschichten“ zwei Publikationen vorgestellt werden. Ferner unterstützte der Geschichts- und Heimatverein beispielsweise die erste Trauung auf dem Diemelsee oder andere Geschichtsausstellungen in Westfalen. Last but not least wurde zum Ende des Jahres 2015 das neue Internetportal „Unser Marsberg“ ins Leben gerufen, sodass es auch in 2016 wieder heißt: „Lust auf Marsberg“! Weitere Informationen zum Marsberger Geschichts- und Heimatverein finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de

 

Fotos im Anhang:

 

01        Marsberger und Briloner Platt-Sprecher reisten mit einem Bus nach Cobbenrode zum „Plattdeutschen Tag im Sauerland“. Oesdorfer Sprecher richteten den plattdeutschen Tag aus.

 

02        Stephan Salmen, Uta Scholand, das WDR-Team und Elvira Böttcher in der Oesdorfer Werkstatt drehten zum Leitmarer Altar aus der Larenz-Werkstatt.

 

03        Die Icker-Kantorei aus Belm war im Rahmen einer Stadtführung zu Besuch im historischen Obermarsberg.

 

04        Barbara Meyer-Ramme und Harald Legge üben die plattdeutschen Lieder für die Radiosendung mit der Grundschule Marsberg ein. Die Sendung wurde zum Bürgermedienpreis NRW zugelassen.

 

05        Bei den Vorbesprechungen zur Sendereihe „Sauerländer Köpfe“ - v. l. Markus Hiegemann und Dr. Adalbert Müllmann (Ehrenvorsitzender des Sauerländer Heimatbundes und ehem. Oberkreisdirektor des HSK).

 

06        Restaurator Hans-Alfred Schröder, Patronatsherrin Ulrike Gräfin Droste zu Vischering, Ortsheimatpfleger Norbert Becker und das Team vom WDR in Padberg – Thema in der Weihnachtszeit: das „gewickelte Jesuskind“.

 

Marsbergs Fundstück des Monats April 2015 beschäftigt sich mit der „Urwahl“ –

Erster, demokratischer Wahlkampf anno dazumal im Jahr 1848

 

Westheim.Eine absolute Rarität erhielt jetzt der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für die Sammlungen des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Die originale Urkunde aus dem Jahr 1848 zeigt die Anfänge der Demokratie und blickt auf das Wahlrecht samt der Wahlordnung. Dieses Relikt wurde nun von den „Marsberger Geschichten“ zu Marsbergs Fundstück des Monats April 2015 prämiert. Der Sauerlandkurier stellt die geschichtlichen Hintergründe exklusiv vor. Zur damaligen Zeit lebte Joseph Theodor Graf zu Stolberg-Stolberg in Westheim. Dort hatte er bereits im Jahr 1840 das sogenannte „Gut Westheim“ erworben. Stolberg wurde am 12.08.1804 auf Haus Lütkenbeck geboren und starb am 05.04.1859 in Rumillies in Belgien. Sein Vater war der bekannte, zum Katholizismus konvertierte Jurist und Dichter Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg. Er war befreundet mit Johann Wolfgang von Goethe, Matthias Claudius und Johann Gottfried von Herder. Joseph Theodor Graf zu Stolberg-Westheim studierte in Münster und Bonn. Im Jahr 1824 trat er als Novize in den Jesuitenorden ein. Innerhalb des Ordens verbrachte er in Brig, Freiburg und Rom weitere Studienzeiten. 1834 schied er aus dem Orden aus und trat in das österreichische KuK-Militär ein. Dort brachte er es bis zum Leutnant. 1837 kehrte er nach Preußen zurück. In seiner Zeit in Westheim, das damals noch zum Kreis Büren gehörte, wurde er 1843 durch die Landstände des Kreises aus drei Kandidaten als Landrat ausgewählt. Preußischer Landrat konnte nur werden, wer Grundbesitz im Landkreis hatte, in Unabhängigkeit garantierenden Vermögensverhältnissen lebte und seine fachliche Qualifikation in einer Prüfung nachwies. 1843 erfolgte durch Graf Stolberg erst eine kommissarische Übernahme der Verwaltung des Bürener Landratsamts, die 1845 eine Ernennung zum Landrat Bürens zur Folge hatte. Darüber hinaus war Stolberg Mitglied des westfälischen Provinziallandtages. 1848 kam es in deutschen Landen zu Revolutionen. Auch in Westheim gab es Proteste von Bauern, die gegen das Gut „marschierten“. Als Landrat forderte Graf Stolberg das Militär an, da es bereits Ausschreitungen und Brandstiftungen gegen das Schloss Fürstenberg gegeben hatte. Aufgebrachte, teils angetrunkene Bauern versammelten sich beim Schloss und verlangten die Ablösung von gutsherrlichen Lasten. Graf Stolberg versuchte sie zu beruhigen. Was zunächst nicht gelang. In der Chronik steht aber geschrieben: „Allein mit der Nacht kam die Ruhe, des folgenden Morgens war Westheim wieder nüchtern und die Revolution war vorüber…“. Aus dieser „Revolutionszeit“ resultierend entstand auch ein Kreuz auf dem Büchenberg. Dieses ist allerdings eine andere Geschichte. Marsbergs Fundstück des Monats wiederum ist ein Flugblatt an die damaligen Bewohner des Kreises Büren. Es wurde in Paderborn bei der „Junfermann´schen Buchdruckerei“ erstellt. Landrat Graf Stolberg hatte es im April 1848 von Westheim aus in Auftrag gegeben. Es handelt sich um den ersten Aufruf zur sogenannten „Urwahl“, der Wahl zur Nationalversammlung. In dem Wahlaufruf bittet Graf Stolberg als Landrat die Bürger in seinem „Wort des Ernstes und der Liebe“: „Mit dem plötzlich eingetretenen Wechsel unsrer öffentlichen Verhältnisse, sind mancherlei Wünsche und Bestrebungen aufgetaucht, deren Gegenstand denen von welchen sie ausgingen nicht klar war…“. Graf Stolberg verweist darauf, dass die Bürger mit Überlegung und Anstand zu den „bevorstehenden Urwahlen“ gehen sollten, da sie „für uns von größter Wichtigkeit sind“. Er schreibt auch, wem die Stimme nicht zu erteilen sei: „Jene, die aller geistigen Güter baar, ihr zeitliches Vermögen durch Liederlichkeit und Prozeßkrämerei verloren haben, solche wollen wir nicht wählen.“ Ferner: „Jene, deren Glaubensbekenntnis uns höchstens aus den Taufbüchern bekannt ist, die aber die Kirchenluft nicht vertragen können… solche wollen wir unter keinen Umständen wählen.“ Auch „Männer ohne Erwerb“, die „von Haus zu Haus ziehen“, „Quertreibereien und Feindschaften anstiften“, die „hinter vollem Glase über die Welt den Stab brechen“ oder die nur auf ihren eigenen „Dünkel gestützt sind“ waren lt. Graf Stolberg nicht wählbar. Zu Letzt verweist Stolberg auf die „guten Christen“. „Freiheit ist das allgemeine Loosungswort“. „Wehe dem“, „der mit Geschenken“ die Wahl zu beeinflussen versuchte. Auch dem „Branntwein“ sagte er dem Kampf an. Zur Wahl bat er: „Nüchtern, im vollen Frei-Genusse unsrer Sinne… an´s Werk“ zu gehen. Im April 1848 reichte Graf Stolberg seinen Abschied als Landrat ein, der im Juni des Jahres ausgesprochen wurde. Man wählte Stolberg in die Nationalversammlung. Im Jahr 1849 war er an der Gründung der Zeitung „Deutsche Volkshalle“ in Köln und eines Anti-Duellvereins beteiligt. Später entsandte man ihn nach Berlin in die zweite Kammer des Preußischen Landtags für den Wahlkreis Büren-Warburg-Höxter. Als führender Vertreter des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert gründete er vor Ort den Piusverein und in Regensburg den deutschen Bonifatiusverein. Bis zu seinem Tod in 1859 war er auch deren erster Präsident. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de          

 

Fotos im Anhang:

 

01        Marsbergs Fundstück des Monats April 2015: Der Urwahl-Aufruf vom Bürener Landrat Joseph Graf zu Stolberg-Westheim aus dem Jahr 1848 an die Bevölkerung.

 

02        Ein zeitgenössisches Bildnis von Joseph Graf zu Stolberg-Westheim.

 

03        Das Westheimer Schloss im Jahr 1874.

 

 

 

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